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Bruttoinlandsprodukt: Ergebnisse zur Wirtschaftsleistung im 1. Quartal 2021

Wirtschaftsleistung 5,0% unter Vorkrisenniveau

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im 1. Quartal 2021 gegenüber dem 4. Quartal 2020 - preis-, saison- und kalenderbereinigt - um 1,8% gesunken. Nachdem sich die deutsche Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte 2020 zunächst etwas erholt hatte (+8,7% im 3. Quartal und +0,5% im 4. Quartal), führte die Corona-Krise zum Jahresbeginn 2021 zu einem erneuten Rückgang der Wirtschaftsleistung. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes fiel dieser geringfügig höher aus als in der Schnellmeldung am 30. April 2021 berichtet. Gegenüber dem 4. Quartal 2019, dem Quartal vor Beginn der Corona-Krise, war die Wirtschaftsleistung 5,0% geringer.

Privater Konsum nimmt deutlich ab, Importe steigen stärker als Exporte

Besonders deutlich machten sich die anhaltenden und teilweise verschärften Einschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie zum Jahresbeginn bei den privaten Konsumausgaben bemerkbar: Diese waren im 1. Quartal 2021 preis-, saison- und kalenderbereinigt 5,4% niedriger als im 4. Quartal 2020. Dagegen stiegen die staatlichen Konsumausgaben leicht und lagen 0,2% über dem Niveau des Vorquartals. Positive Impulse kamen im 1. Quartal 2021 vor allem von den Bauinvestitionen, die preis-, saison- und kalenderbereinigt um 1,1% gegenüber dem 4. Quartal 2020 stiegen. In Ausrüstungen - also vor allem in Maschinen, Geräte und Fahrzeuge - wurde saisonbereinigt etwas weniger investiert als im Vorquartal (-0,2%).

Der Handel mit dem Ausland nahm zum Jahresbeginn zu. Die Importe von Waren und Dienstleistungen stiegen im 1. Quartal 2021 mit 3,8% (preis-, saison- und kalenderbereinigt) aber deutlich stärker als die Exporte (+1,8%).

Bruttowertschöpfung im Handel und im Baugewerbe mit starken Rückgängen

Die preis-, saison- und kalenderbereinigte Bruttowertschöpfung war im 1. Quartal 2021 um 0,8% niedriger als im 4. Quartal 2020. Dabei zeigte sich bezogen auf die einzelnen Wirtschaftsbereiche ein gemischtes Bild: Während die Bruttowertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe gegenüber dem 4. Quartal 2020 leicht zulegte (+0,4%), sank die Bruttowertschöpfung im Bereich Handel, Verkehr, Gastgewerbe um 3,2%. Noch deutlicher war der Rückgang mit -4,9% im Baugewerbe, unter anderem bedingt durch einen außergewöhnlich kalten Jahresbeginn.

Bruttoinlandsprodukt im Vorjahresvergleich noch deutlich im Minus

Im Vorjahresvergleich war das BIP im 1. Quartal 2021 preisbereinigt 3,4% niedriger als im 1. Quartal 2020. Preis- und kalenderbereinigt war der Rückgang mit -3,1% etwas geringer, da ein Arbeitstag weniger zur Verfügung stand als ein Jahr zuvor.

Privater Konsum geht auch im Vorjahresvergleich stark zurück, Warenhandel zieht an

Im Vorjahresvergleich war die inländische Nachfrage weiterhin deutlich schwächer als im Jahr zuvor. Das gilt vor allem für die privaten Konsumausgaben, die preisbereinigt gegenüber dem 1. Quartal 2020 um 9,1% zurückgingen. Auch von den Investitionen kamen im Vergleich zum Vorjahr keine Wachstumsimpulse: In Ausrüstungen wurde 0,7% weniger und in Bauten sogar 1,6% weniger investiert als vor einem Jahr. Stützend wirkten im Vorjahresvergleich lediglich die Konsumausgaben des Staates, die 2,5% zulegten, und die Nachfrage aus dem Ausland.

Der internationale Warenhandel zog im Vergleich zum 1. Quartal 2020 kräftig an, wobei die Warenexporte etwas stärker stiegen als die Warenimporte. Gleichzeitig ging der internationale Handel mit Dienstleistungen wie schon in den letzten drei Quartalen zweistellig zurück. Insgesamt wurden im 1. Quartal 2021 preisbereinigt 0,6% weniger Waren und Dienstleistungen exportiert als im 1. Quartal 2020. Die Importe gingen im selben Zeitraum insgesamt um 3,0% zurück.

Fast alle Wirtschaftsbereiche mit geringerer Wirtschaftsleistung als im Vorjahr

Auf der Entstehungsseite des BIP war die preisbereinigte Bruttowertschöpfung im 1. Quartal 2021 in fast allen Wirtschaftsbereichen geringer als ein Jahr zuvor. Die größten Rückgänge gab es mit -13,9% bei den Sonstigen Dienstleistern, wozu unter anderem die Bereiche Unterhaltung und Erholung zählen. Im Bereich Handel, Verkehr, Gastgewerbe sank die Bruttowertschöpfung ebenfalls stark um 8,2%. Besonders das Gastgewerbe hatte einen noch deutlicheren Rückgang zu verzeichnen. Im Verarbeitenden Gewerbe verbesserte sich die Wirtschaftslage nach den zweistelligen Einbrüchen im vergangenen Sommer weiter, die Bruttowertschöpfung lag im 1. Quartal 2021 aber noch 1,2% unter dem Niveau des 1. Quartals 2020. Lediglich im Bereich Information und Kommunikation konnte die Wirtschaftsleistung im Vergleich zum Vorjahr nennenswert zulegen (+0,7%). Die Bruttowertschöpfung insgesamt ging um 3,5% zurück.

Erwerbstätigenzahl weiter deutlich unter Vorkrisenniveau

Die Wirtschaftsleistung wurde im 1. Quartal 2021 von rund 44,4 Millionen Erwerbstätigen mit Arbeitsort in Deutschland erbracht. Das waren 707.000 Personen oder 1,6% weniger als ein Jahr zuvor. Dabei ist zu beachten, dass die Kurzarbeit sich nicht auf die Erwerbstätigenzahlen auswirkt, weil Kurzarbeitende weiter als Erwerbstätige zählen.

Einen deutlichen Effekt hat die Inanspruchnahme von Kurzarbeit aber auf die Zahl der durchschnittlich geleisteten Arbeitsstunden je Erwerbstätigen: Diese war im 1. Quartal 2021 nach ersten vorläufigen Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit 4,0% geringer als im 1. Quartal 2020. Das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen - also die Gesamtzahl der geleisteten Arbeitsstunden aller Erwerbstätigen - ging entsprechend im selben Zeitraum mit -5,5% noch stärker zurück.

Die gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität - gemessen als preisbereinigtes BIP je Erwerbstätigenstunde - nahm nach vorläufigen Berechnungen gegenüber dem Vorjahresquartal um 2,3% zu. Je Erwerbstätigen war sie jedoch 1,9% niedriger als im 1. Quartal 2020.

Stabile Einkommen und Konsumzurückhaltung führen zu Anstieg der Sparquote

In jeweiligen Preisen gerechnet waren das BIP und das Bruttonationaleinkommen im 1. Quartal 2021 um 1,1% niedriger als ein Jahr zuvor. Das Volkseinkommen war um 0,9% höher als im 1. Quartal 2020. Dabei ging das Arbeitnehmerentgelt mit -0,4% leicht zurück, während die Unternehmens- und Vermögenseinkommen nach ersten vorläufigen Berechnungen um 4,0% gestiegen sind. Die Bruttolöhne und -gehälter verzeichneten im Durchschnitt je Arbeitnehmerin und Arbeitnehmer ein kleines Plus von 0,2%, netto nahmen die Durchschnittsgehälter wegen rückläufiger Abgaben der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer um 1,0% zu. Das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte war im 1. Quartal 2021 um 1,1% höher als vor einem Jahr. Dagegen gingen die privaten Konsumausgaben in jeweiligen Preisen um 7,3% zurück. Das relativ stabile Einkommen einerseits und die Konsumzurückhaltung andererseits führten wie schon in den drei vorangegangenen Quartalen dazu, dass die privaten Haushalte während der Corona-Krise erheblich mehr sparten. Nach vorläufigen Berechnungen ergibt sich daraus für das 1. Quartal 2021 eine Sparquote von 23,2%.

Internationaler und europäischer Vergleich

Innerhalb Europas zeigt sich ein geteiltes Bild: Während das preis-, saison- und kalenderbereinigte BIP unter anderem in Spanien (-0,5%) und Italien (-0,4%) im 1. Quartal 2021 gegenüber dem 4. Quartal 2020 zurückging, verzeichnete Frankreich ein leichtes Plus von 0,4%. Für die Europäische Union (EU) insgesamt meldete das europäische Statistikamt Eurostat nach vorläufigen Berechnungen einen BIP-Rückgang von 0,4% gegenüber dem Vorquartal, der somit deutlich geringer ausfällt als für Deutschland (-1,8%). Die Vereinigten Staaten verzeichneten dagegen zum Jahresbeginn mit umgerechnet +1,6% einen kräftigen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts gegenüber dem 4. Quartal 2020.

Auch im Vorjahresvergleich wird für die Vereinigten Staaten ein Anstieg des BIP gemeldet (umgerechnet +0,4%). Die französische Wirtschaft verzeichnete mit +1,5% ein kräftiges Wachstum gegenüber dem 1. Quartal 2020, während die meisten EU-Mitgliedstaaten noch deutlich im Minus waren. Unter den Mitgliedstaaten, für die bereits Daten für das 1. Quartal 2021 vorliegen, hatte Spanien mit -4,3% mit den stärksten Rückgang im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen. In Italien war der Rückgang mit -1,4% geringer als in Deutschland mit -3,1%. Für die EU insgesamt gab Eurostat ein vorläufiges Ergebnis von -1,7% gegenüber dem Vorjahresquartal bekannt.

Quelle: Statistisches Bundesamt

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