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Marktbericht Januar 2020

Für nicht angemeldete Nutzer steht als Leseprobe ein Teil des ersten Kapitels zur Verfügung. Sollten Sie Interesse an unseren kompletten Marktberichten haben, kontaktieren Sie uns bitte unter marktforschung@heinze.de.

Allgemeine Wirtschaftsentwicklung

Internationale Konjunktur

Wachsende Verschuldung erodiert die Stabilität

Japan ist mit 240% seiner Wirtschaftsleistung verschuldet, Italien mit 140% und die USA mit 108%. Darin sind versteckte Schulden wie Ansprüche an die Sozialsysteme noch nicht einge­rechnet. Die Staatsschulden kommen jedoch nicht zukunftswei­senden Investitionen zugute, sondern Steuergeschenken für Privilegierte (USA) oder einem weiteren Ausbau der Sozialsys­teme (EU). Zudem pumpen sich Unternehmen mit billigem Geld auf, so dass deren Verschuldung das Drei- bis Vierfache des Ergebnisses (Ebita) ausmacht. Ein privater Haushalt, der mit 100% seines Jahreseinkommens verschuldet ist, benötigt bei einer Sparquote von 10% zehn Jahre zum Entschulden. Derzeit steigt die Schuldenquote aber weiter. In einer Krise können die Akteure kaum noch handeln. Die Stabilität eines Systems ergibt sich nach Röpke aus der Fähigkeit der Akteure zu autonomem Anpassungsverhalten. Letzteres schwindet mit dem Verschuldungsgrad.

„Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt“ (Wilhelm Busch)

Die nächste Finanzkrise könnte nicht wie zuletzt durch kriminelle Machenschaften des Finanzsystems ausgelöst werden, sondern durch dramatisch steigende Kosten für Präventions- und Hilfs­maßnahmen zur Bewältigung der Folgen des Klimawandels. Sachwerte würden schlagartig entwertet und hochverschuldete Staaten müssten Kredite aufnehmen, die kaum noch jemand geben will, weil deren Kreditwürdigkeit fraglich ist. Die Anfällig­keit digitalisierter Wirtschaftssysteme für Cyberattacken könnte ebenso zum Auslöser werden wie die Verschärfung der Han­delskriege.

Leichte Verbesserung der Perspektive

Zu Beginn des Jahres 2020 weisen die Indikatoren jedoch auf eine Stabilisierung der weltwirtschaftlichen Lage hin. Die welt­wirtschaftliche Produktion wird sich von diesem Jahr (+3,0%) in 2020 nur leicht (+3,1%) und 2021 etwas stärker (+3,4%) erho­len, sofern die Schwäche der Industrie nicht länger anhält und nicht auf den Verbrauch und andere Sektoren durchschlägt. Krisen­hafte Entwicklungen sind nicht ausgeschlossen. Deutsch­land ist aufgrund der viel gescholtenen schwarzen Null noch am besten dafür gerüstet.

Zum konjunkturellen Überblick

Nach einer deutlichen Schwäche des weltwirtschaftlichen Wachstums im Jahr 2019 wird für 2020 eine Stabilisierung er­wartet, die 2021 in ein moderates Wachstum übergehen könnte. In den meisten Schwellenländern hat sich die Lage stabilisiert, während sich die Produktion in den fortgeschrittenen Volkswirt­schaften weiter verschlechtert hat.

Die Geldpolitik wirkt weitgehend unterstützend. Die Zinsen scheinen sich nicht weiter in die negative Richtung zu bewegen. Schweden hat als erstes Land seine Politik der negativen Zinsen beendet und den Leitzins von -0,25% auf null Prozent erhöht. Eine Tendenzwende wird nicht erwartet, wohl aber eine Stabilisierung.

Deutschland befindet sich weiterhin in einer Rezession der in­dustriellen Produktion. Für 2020 wird noch keine durchschla­gende Besserung erwartet. Der Arbeitsmarkt zeigte kurzfristig einen leichten Anstieg der Arbeitslosigkeit, der sich aber nicht fortsetzte. Dennoch werden eine gefühlte Verringerung der Arbeitsplatzsicherheit und geringere Reallohnsteigerungen irgend­wann auch auf den privaten Verbrauch durchschlagen.

Die Baukonjunktur wird durch die konjunkturelle Abkühlung vor allem im Nichtwohnbau beeinträchtigt. Dem stehen jedoch Im­pulse zur energetischen Sanierung entgegen und die zuneh­mend greifenden Fördermaßnahmen für den Mietwohnungsbau.

Rohstoffpreise stabil

"Der HWWI-Rohstoffpreisindex ist im Oktober durchschnittlich um -1,8% (in Euro -2,2%) im Vergleich zum Vormonat gesunken und notierte bei 108,4 Punkten (in Euro: 108,8 Punkten). Die rückläufige Entwicklung des HWWI-Rohstoffpreisindex ist insbe­sondere auf den Verfall der Rohöl- und Industrierohstoffpreise zurückzuführen. Die kurzfristigen Preissteigerungen, die im Sep­tember auf dem Rohölmarkt zu verzeichnen waren, haben sich im Oktober nicht weiter fortgesetzt." (HWWI).

USA: weitere Angleichung der Industrieländer

Der kräftige Produktionsanstieg in den USA hat sich deutlich abgeschwächt. Dies lag vor allem daran, dass die fiskalischen Impulse der Steuerreform im Jahr 2018 ausliefen. Zudem neig­ten die Exporte zur Schwäche. Im III. Quartal 2019 wuchs das Bruttoinlandsprodukt nochmals kräftig um +0,5%. Die Erwartun­gen sind jedoch gedämpft, da die Konsumnachfrage an Fahrt verliert und die Unternehmensinvestitionen erneut zurückgingen. Für die Jahre 2020 und 2021 rechnet man nur noch mit einer Wachstumsrate von +1,5% bzw. +1,7%. Damit gleichen sich die Wachstumsraten der Industrieländer einander an.

Schwellenländer

Mit der Abschwächung der Konjunktur in den großen Industrie­nationen fehlt den Schwellenländern der Rückenwind aus der Weltkonjunktur und die hausgemachten Probleme schlagen stärker auf die Konjunktur durch. Begünstigt wird die Wirtschaft in den Schwellenländern durch die Lockerung der US Geldpoli­tik. Dadurch kann die hohe Verschuldung vieler Schwellenländer leichter getragen werden.

Lateinamerika: Politische Unruhen

Strukturelle Probleme in Lateinamerikas Wirtschaften bewirken wirtschaftliche Schwäche, die wiederum eine Ursache politischer Unruhen ist, welche im ungünstigsten Fall Politiker an die Macht bringen, die die strukturellen Probleme noch verstärken. Dies war kürzlich in Argentinien beim Machtwechsel von der Regie­rung Macri zum alten Kirchner-Clan zu beobachten. Der wirt­schaftliche Niedergang wird sich verschärfen und voraussichtlich zu einem erneuten Schuldenschnitt führen. Das Dauerkrisenland Venezuela vegetiert im Zangengriff der weltpolitischen Interes­sen weiterhin im wirtschaftlichen Niedergang dahin. Boliviens Dauer-Präsident Morales hat das Land nach Wahlmanipulatio­nen verlassen. Doch auch seine Nachfolger haben eine frag­würdige Vergangenheit. Die indigene Bevölkerung fürchtet, dass mit Áñez Diskriminierung und Rassismus zurückkehren und alte Gräben zwischen indigener Mehrheit im Hochland und weißer Wirtschaftselite im Tiefland wieder aufbrechen. In Chile hinge­gen protestieren die Menschen für tiefgreifende Reformen des ultraliberalen Wirtschaftssystems. In kaum einem anderen Land der Welt sind die Einkommensunterschiede so hoch. In Brasilien ist es immerhin gelungen eine Rentenreform zu verabschieden, die die Perspektiven des Staatshaushaltes nachhaltig verbes­sern wird. Für Mexiko haben sich die wirtschaftspolitischen Un­sicherheiten gegenüber den USA geglättet, sodass wieder mit einer allmählichen, konjunkturellen Belebung gerechnet wird. 2020 werden die Volkswirtschaften des Kontinents überwiegend sehr gering wachsen und im Durchschnitt +0,8% erreichen. Für 2021 wird in den meisten Ländern eine Rückkehr zu moderatem Wachstum erwartet. Insgesamt pendelt der Kontinent unglück­lich zwischen linken und rechten Exzessen hin und her.

China folgt Deutschland – in gewisser Weise

Zwischen 1950 und 1975 betrug die durchschnittliche Wachs­tumsrate in Deutschland +6,5%. Zwischen 1976 und 1994 ging sie auf +3,2% zurück und zwischen 1995 und 2019 betrug sie nur noch +1,0%. China ist gerade auf dem Weg von der ersten Phase in die zweite Phase. Das ist ein ganz normaler Vorgang im Wachstumszyklus eines sich entwickelnden Landes. Die An­zahl der Arbeitskräfte sinkt, die größten technologischen Sprün­ge liegen in der Vergangenheit. Im Vergleich zu Deutschland vollzieht sich der Wandel jedoch nicht in einem demokratischen Umfeld, sondern wird durch einen immer autoritärer werdenden Staatsapparat begleitet, dem eine gewisse Beharrungsfähigkeit bescheinigt werden kann, dem aber i.d.R. die Anpassungsfähig­keit fehlt. In dieser Phase wächst auch der Wille zur Selbstbe­stimmung. Nicht von ungefähr kam die 68er-Bewegung als die Bäuche voll und die Häuser gebaut und eingerichtet waren. Hongkong ist nur der Anfang des sozialen Sandes im Getriebe der chinesischen Wachstumsmaschine. Im Gegensatz zu de­mokratischen Systemen reformieren sich autoritäre Systeme aber nicht. Sie halten sich bis zum Kollaps. Vorerst gehen Be­obachter jedoch von einem kontinuierlichen und kontrollierten, moderaten Rückgang der Wirtschaftsleistung aus. Der Produk­tionsanstieg beträgt im Jahr 2021 +5,7%.

Japan: besser als erwartet

Japans Wirtschaft ist im III. Quartal 2019 um +1,8% gestiegen. Damit wurden die Prognosen deutlich übertroffen. Das schnelle­re Wachstum resultierte aus größeren Investitionsausgaben und einem Anstieg des privaten Verbrauchs, die zusammen den Rückgang der Exporte ausgleichen konnten. Damit wird das Wachstum 2019 bei +1,2% liegen. Für 2020 geht man von einer Abschwächung auf +0,8% aus. Für das Jahr 2021 erwartet man eine erneute Belebung, die bei +1,1% liegen wird.

Boom in Europas Osten

Die mittel- und osteuropäischen EU-Staaten bleiben weiterhin im konjunkturellen Aufwind. Im Jahr 2019 werden sie insgesamt mit +3,8% gewachsen sein. Die Zuwachsraten schwächen sich et­was ab, doch liegen sie 2020 mit +2,9% und 2021 mit +3,0% noch deutlich über den Wachstumsraten westeuropäischer Län­der. Wachstumstreiber im Osten sind vor allem die stark gestie­genen Löhne bei gleichzeitig gestiegener Produktivität. Die In­vestitionen legen weiter kräftig zu. Das Bruttoinlandsprodukt ist inzwischen auf 84% des EU-Durchschnitts angestiegen. Die Angleichung geht vielen noch zu langsam, sodass die Abwande­rung von Fachkräften ein ernsthaftes Problem darstellt. Für Westeuropa ist die starke Wirtschaft in den osteuropäischen Ländern jedoch derzeit eine Stütze.

Euroraum wächst 2020 stärker als Deutschland

Die wirtschaftliche Entwicklung im Euroraum ist robust und ver­läuft deutlich expansiver als in Deutschland. Das BIP des Euro­raumes wächst in den Jahren 2019 und 2020 um +1,2% und liegt etwa einen halben Prozentpunkt oberhalb des Wachstums in Deutschland. Für das Jahr 2021 erwartet man sowohl für Deutschland wie auch für den Euroraum eine Wachstumsrate von +1,5%.

Brexit

Die Briten haben bei der Wahl vor allem Klarheit gewählt. Die bringt aber noch keine Sicherheit, denn die Ausgestaltung der künftigen Handelsbeziehungen dürf­te sich noch lange hinziehen, wenn es solide ausgehandelt wird. Der Versuch Johnsons den Verhandlungszeitraum eng zu be­grenzen ist ein weiteres leicht durchschaubares populistisches Manöver, das für die Solidität der künftigen Handelsbeziehun­gen nichts Gutes erwarten lässt. Vorerst bleibt die Unsicherheit für Investoren und die Sorge der Konsumenten.

Populisten fördern Schulden

Eigentlich müsste die EU-Kommission gegen Belgien, Spanien, Frankreich und Italien sowieso ein Defizitverfahren einleiten. Die Schuldenquote liegt in allen Ländern bei etwa 100% und in Ita­lien deutlich darüber. Keines der Länder zeigt eine Tendenz zur Besserung, vielmehr steigen die Defizite. Die Konjunkturschwä­che erklärt die Entwicklung nicht, denn auch die konjunkturbe­reinigten strukturellen Defizite sinken nicht. Man fürchtet mit ei­nem Strafverfahren den Rechtspopulisten in Italien und Frank­reich in die Hände zu spielen. Für mehr staatliche Ausgaben bei gleichzeitiger Haushaltskonsolidierung brauchen Salvini und Le Pen nur noch einen Schuldigen, dem sie ihr eigenes Unvermö­gen in die Schuhe schieben können.

Zinsen: stabiler Nullzins

Nachdem im letzten Quartal noch die Anzahl der Meldungen zu möglichen negativen Zinsen überwog, zeichnet sich inzwischen ein ausgeglichenes Verhältnis ab. Baufinanzierer gehen wieder eher davon aus, dass die größten Zinstiefs bereits in der Ver­gangenheit liegen. Auch die Rendite für Bundesanleihen hat sich von ihrem niedrigsten Wert (-0,6%) wieder in Richtung Null­linie bewegt. Die Spielräume bleiben jedoch eng und der Markt für Baufinanzierungen ist hart umkämpft. Minuszinsen im Be­reich der Baufinanzierung werden vorerst nicht erwartet. Die durchschnittliche Finanzierung für zehnjährige Darlehen dürfte im Jahr 2020 etwa bei einem Prozent liegen. Unter Finanz­marktexperten überwiegt die Meinung, dass die Geldpolitik noch mindestens eine ganze Dekade lang sehr locker bleiben wird. Die Werte haben sich somit auf Zinsen im Bereich der Nulllinie eingestellt.

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