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Marktbericht September 2020

Für nicht angemeldete Nutzer steht als Leseprobe ein Teil des ersten Kapitels zur Verfügung. Sollten Sie Interesse an unseren kompletten Marktberichten haben, kontaktieren Sie uns bitte unter marktforschung@heinze.de.

Allgemeine Wirtschaftsentwicklung

Internationale Viruskonjunktur

Stand des Infektionsgeschehens

Zwischen dem letzten Marktbericht und diesem hat sich die Zahl der Infektionen von zehn auf dreißig Millionen erhöht. Gemessen an der Weltbevölkerung sind das knapp 0,4%. Eine knappe Million ist an der Infektion gestorben. Das ent­spricht etwa einem Anteil von 3,1% der Infizierten. Aufgrund der Dunkelziffer bei den Infektionen und der Schwierigkeit der eindeutigen Bestimmung der Todesursache, ist dieser Wert eher niedriger. Auch nimmt der Anteil der Todesfälle deutlich ab. Große Teile der Menschheit haben gelernt angepasster mit dem Virus umzugehen. Die weltweiten Infektionszahlen deuten eher auf eine Stabilisierung der Neuinfektionen auf hohem Niveau hin. Etwas beunruhigend sind die Neuausbrü­che. Europa hatte die Pandemie schon weitgehend überwun­den, aber mit der Lockerung der Maßnahmen (Lock-up) scheint sie wieder stärker zu werden. Auf dem amerikani­schen Kontinent stabilisiert sie sich, während sie in Asien, wo sie im Keim erstickt schien, erst richtig Fahrt aufnimmt. Dabei gibt es jedoch große Unterschiede wie zwischen Indien und China. Grundsätzlich ist damit die Gefährdung der Weltwirt­schaft nicht beendet. Auch hier bringt nur der bessere Um­gang mit der Pandemie eine schrittweise Verbesserung. Wie geht es weiter?

Keine zweite Welle, sondern Dauerwelle

Während auf der südlichen Erdhalbkugel bald der Sommer beginnt, geht die nördliche Erdhalbkugel in die Herbst- und Winterzeit hinein. Es mischen sich Erkältung, Grippe und Corona, ohne dass man sie ohne nähere Untersuchung aus­einanderhalten kann. Ins­besondere für die Länder auf der nördlichen Erdhalbkugel dürfte die eigentliche Herausforde­rung noch bevorstehen. In Ländern in der Nähe des Äquators oder zwischen den Wendekreisen kommt es zur Regenzeit, über deren Einfluss auf die Pandemie noch keine Erfahrun­gen vorliegen. Somit liegt es wohl auch an der weltweiten Perspektive, die dem ehe­mals deutschen, heute internationa­len Präsidenten des Ärztebundes, Montgomery zu der Aus­sage verleitete: "Wir sind nicht in der 2. Welle, sondern in einer Dauerwelle."

Langfristige Aussichten

Die immer wieder aufflammenden Infektionen in verschiede­nen Erdteilen sind zugleich das langfristige Problem. Solange das Virus nicht auf nahe Null oder sechzig Prozent Her­denimmunität eingedämmt ist, wird es immer wieder zurück­kommen. Bei den derzeitigen Zahlen ist ohne Impfstoff kein Ende absehbar. Zudem erwähnten wir bereits im letzten Marktbericht, dass der Klimawandel das Umfeld für Erreger und Überträger verändert, so dass eine langfristige Gesund­heitsstrategie ein Gebot der Stunde ist. Jedes Unternehmen sollte sich auf einen Winter mit großen gesundheitlichen Her­ausforderungen vorbereiten und dabei die Gestaltung der langfristigen Gesundheitsstrategie im Auge behalten. Ge­sundheit und Wirtschaft gehören zusammengedacht.

Sterblichkeit sinkt – Gefahr bleibt

Auch wenn Mediziner erste Anzeichen für eine Abschwä­chung der Aggressivität des Virus entdecken, dürfte der ge­genwärtige Rückgang der Sterblichkeit eher andere Ursachen haben. Das Durchschnittsalter der Infizierten ist deutlich ge­sunken und jüngere Menschen haben ein erheblich geringe­res Sterberisiko. Die höhere Anzahl an getesteten Personen identifiziert eine größere Zahl schwacher Krankheitsverläufe. Während im Frühjahr vielerorts überlastetes Klinikpersonal mit einer nahezu unbekannten Krankheit klarkommen muss­te, profitieren die Gesundheitssysteme inzwischen von den Erfahrungen der ersten Welle. Auch gibt es inzwischen Medi­kamente, die unter bestimmten Umständen helfen können. Schutzmaßnahmen wie Abstand und Mund-Nasen-Schutz führen nicht nur dazu, dass sich weniger Menschen anste­cken, sondern lassen die Infektionen auch leichter verlaufen. Schon länger vermuten Virologen, dass die Menge der auf­genommenen Viren den Verlauf der Krankheit beeinflussen. Der Sommer begünstigt einerseits Verhalten, bei dem die Virendosis tendenziell geringer ist und die Menschen sind widerstandsfähiger. In der bevorstehenden Winterzeit bleibt Corona gefährlich.

Serum der Eitelkeiten

So wie der Sputnik 1957 dem Westen schlagartig die Überle­genheit der Sowjetunion in der Weltraumtechnologie vor Augen führte, wollte Putin mit der Ankündigung des ersten Impfstoffs punkten. China gibt sich solidarisch und Xi Jinping will den Impfstoff der Menschheit zugänglich machen. Der Haken an der Sache ist jedoch, dass chinesische Labore eine Blackbox sind und niemand weiß, was das Ergebnis sein wird. Der dritte Selbstdarsteller im Bunde punktet damit, den Impfstoff zuerst seiner eigenen Bevölkerung zugutekommen zu lassen und trotzdem wird alles großartig sein. Ehemalige Bundesbank Präsidenten mögen keine besonders guten Viro­logen sein, aber wenn Axel Weber sagt, dass es auf abseh­bare Zeit keine Wundermedizin geben wird, ist dem wohl zu­zustimmen. Und Europa? Kaum ein Erdteil verfügt über so viel Pharma-Know-how wie Europa. Neben dem Know-how geht es aber auch um die Sicherung von Lieferung und Kapazitäten. Die Impfstoffallianz von Deutschland, Frank­reich, Italien und den Niederlanden ist inzwischen in die För­derung (2,7 Mrd. €) der EU-Kommission aufgegangen.

Bill Gates erwartet im Handelsblattinterview erste Impfstoffzu­lassungen für Anfang 2021, eine dramatische Reduktion der Fälle im Jahr 2021 und die Überwindung der Krise im Jahr 2022.

Ernüchternd wirkt jedoch der Vergleich mit anderen Virus­krankheiten. Jahrzehntelange HIV-Forschung hat bisher kei­nen verlässlichen Impfstoff hervorgebracht. Auch gegen Malaria, Dengue und Tuberkulose konnte man trotz intensiver Forschung keinen Impfstoff entwickeln.

Spieltheorie hilft auch nicht wirklich weiter

Nach der Spieltheorie wäre internationale Kooperation zwei­fellos die beste Lösung, doch stecken die Staaten in einem wiederholten Gefangenendilemma. Wenn alle kooperieren, ist das Ergebnis des Spiels für alle am besten. Doch wenn zu viele Spieler aus dem Spiel ausscheiden, macht die Zusam­menarbeit auch für die Kooperierenden keinen Sinn mehr. Dann regiert der nationale Egoismus. Wenn die Wirksamkeit eines Impfstoffs allerdings zeitlich begrenzt ist, wird auch das Pokern um das aktuell beste Präparat mehrere Spielrunden haben. Dann könnten die egoistischen Staaten der ersten Runde in der zweiten Runde für ihre fehlende Solidarität ab­gestraft werden und der Kooperationswille steigt wieder an. Das Problem ist, dass die Spieltheorie von rationalem Verhal­ten ausgeht.

Eine gute Nachricht zum Schluss

Als man in Schweden im Frühsommer die Immunität der Bevölkerung untersuchte, war man enttäuscht, dass nur bei sieben Prozent Antikörper festgestellt wurden. Eine kleinere, weniger gesicherte Untersuchung zeigte jedoch bei der Mehrzahl der Probanden eine Abwehrreaktion durch T-Zellen. T-Zellen (weiße Blutzellen, die der Immunabwehr dienen) haben eine längere Lebensdauer als Antikörper und müssen nicht unbedingt durch eine Sars-CoV-2 Erkrankung gebildet worden sein. Auch harmlosere Coronaviren, die in Europa schon seit den 1960er Jahren in Erkältungs- und Grippekrankheiten vorkommen, bilden T-Zellen, die eine Ab­wehrreaktion gegen den aktuellen Coronavirus bilden. Virolo­gen sprechen in dem Fall von Kreuzimmunität. Neueste Stu­dien bestätigen die Wirksamkeit der T-Zellen unterschiedli­cher Herkunft gegen Corona.

"Wunder gibt es immer wieder!"

Wer hat nun Recht, Katja Ebstein oder Axel Weber? Genau­genommen beide. Es wird kein Wundermittel geben, das die Seuche mit hundertprozentiger Sicherheit zu hundert Prozent beseitigt. Viele kleine Maßnahmen von Verhaltensänderun­gen, medizinischen Mitteln, die einigermaßen wirken und nebenwirken, bis hin zu unserem kleinen Wunderkörper, ma­chen Corona irgendwann zu einer von vielen kleinen Alltags­plagen, mit all ihren großen Gefahren, wenn man sie nicht ernst nimmt.

Ein Service der Heinze GmbH

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