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Marktbericht Juni 2018

Für nicht angemeldete Nutzer steht als Leseprobe ein Teil des ersten Kapitels zur Verfügung. Sollten Sie Interesse an unseren kompletten Marktberichten haben, kontaktieren Sie uns bitte unter marktforschung@heinze.de.

Allgemeine Wirtschaftsentwicklung

Internationale Konjunktur

Weltweites Wachstum, aber Abkühlung in den Industrieländern

Nach der Prognose des IWF wuchs die globale Wirtschaft 2017 um +3,8% und wird 2018 und 2019 sogar noch um einen Zehn­telpunkt stärker wachsen (+3,9%). Für die Weltwirtschaft insge­samt geht es in der Prognose bis 2023 auch nur gemä­ßigt auf +3,7% zurück. Wie die untere Grafik zeigt, geht der IWF für die Industrieländer jedoch davon aus, dass spätestens ab 2019 eine Abkühlung einsetzt. Die Ursache sieht man vor allem in dem steigenden Zinsniveau, dem wachsenden Protektionis­mus und den geopolitischen Spannungen und Unruhen, die das Vertrau­en der Investoren dämpfen.

Blinder Nationalismus

Die nationalistischen Tendenzen versperren den Blick für Prob­leme, die nur in weltweiter Kooperation zu lösen sind. Hierzu gehören u.a. die Gefahren von Cyberattacken und der Klima­wandel. Die Erfahrung lehrt, dass geopolitische Krisen zunächst keinen großen Einfluss auf das wirtschaftliche Geschehen ha­ben. Trumps wirtschaftlicher Nationalismus ist jedoch keine Ein­tagsfliege und der Einfuhrboykott auf deutsche Waren in Saudi-Arabien zeigt zudem, dass bei politischen Differenzen der Han­del zunehmend als Waffe eingesetzt wird. Deshalb warnt die IWF-Chefin Christine Lagarde vor "unentschuldbarem" Politik­versagen, das die Weltwirtschaft unterminiert. Die amerikani­sche Denkfabrik Brookings warnt, dass der Höhepunkt der guten Zeiten hinter uns liegt. Die weltweite Verschuldung und die Steuerpolitik der USA haben das Potential in einer neuen Finanzkrise zu enden, auf die die meisten Länder und Unter­nehmen schlechter vorbereitet sind als vor der letzten Finanzkri­se. Hinzu kommen eine chronische Produktivitätsschwäche infolge geringer Investitionen und die Überalterung vieler entwi­ckelter Volkswirtschaften.

Glänzende Verfassung und besorgte Perspektive

Der Ifo-Weltwirtschaftsklimaindex sank im April von 26,0 auf 16,5 Punkte. Der Aufschwung verlangsame sich zwar, aber ein Abschwung sei nicht in Sicht. Die Einschätzung der aktuellen Lage sei immer noch sehr gut, aber bei den Erwartungen zeigt sich eine deutliche Abkühlung.

Die starke aktuelle Dynamik geht auch auf die beträchtliche fis­kalische Expansion in den Vereinigten Staaten für dieses und das nächste Jahr zurück. Der IWF ist jedoch skeptisch, dass die schuldenbasierte Wirtschaftspolitik nachhaltig wachstumsför­dernd wirkt. Das Strohfeuer wird abklingen und viele Länder vor eine mittelfristige Herausforderung stellen.

Die Perspektiven in den Schwellenländern Asiens und Europas sind weiterhin günstig, aber in Lateinamerika, dem Nahen Osten und der Subsahara-Region bleiben die mittelfristigen Aussichten für Rohstoffexporteure trotz einer gewissen Erholung generell gedämpft.

Baukonjunktur im ökonomischen Umfeld: Weltwirtschaft - die Luft wird dünner, Binnennachfrage robust, Bauwirtschaft - stabilisierende Faktoren

Der aktuelle Aufschwung befindet sich in einer Verfassung wie schon lange nicht mehr. Dies sieht man an der sehr positiven Entwicklung der realen Einflussfaktoren. Auf der nominalen Sei­te der Konjunktur brauen sich jedoch die typischen Warnzeichen einer Hochkonjunktur zusammen. Noch haben sie geringen Ein­fluss auf die reale Entwicklung. Sollten sich die politischen Unsi­cherheiten verstärken, würde sich das auch verstärkt auf Preise, Zinsen und Kurse auswirken. Je länger und je stärker die nomi­nalen Rahmenbedingungen bremsend wirken, desto wahr­scheinlicher werden auch die realen Größen davon erfasst. Die Weltwirtschaft hat zwei gute Jahre vor sich mit höchst unsiche­ren Aussichten auf die Zeit danach.

Am stärksten ist der Nichtwohnbau von der Konjunktur abhän­gig. Da Investitionen sehr stark von den Erwartungen abhängig sind, könnte im Nichtwohnbau schon 2019 eine Abkühlung ein­treten. Der Tiefbau wäre aufgrund öffentlicher Investitionen und der erforderlichen Gegensteuerung am wenigsten betroffen.

Der Wohnungsbau dürfte bei einem Abschwung von der gege­benen Knappheit an Wohnraum weiter gestützt werden. Wohn­raum bleibt auch in den nächsten Jahren noch knapp, aber mit eingetrübter konjunktureller Perspektive ginge Dynamik verlo­ren. Sollte es zu einem stärkeren konjunkturellen Einbruch kommen, wäre die Bauwirtschaft ein guter Hebel für die Wirt­schaftspolitik, um die Beschäftigung zu stabilisieren. Nicht zu­letzt hat die Baubranche ein gutes Polster in Form großer Nach­frageüberhänge in der Infrastruktur und im Modernisierungsbereich.

HWWI: Rohstoffpreise tendenziell aufwärts mit Unterbrechung

HWWI: "Im April stieg der HWWI-Rohstoffpreisindex mit einem Plus von 5,3 % (in Euro: +5,8 %) deutlich, nachdem er im März äußerst moderat gestiegen war. Damit ist der Abwärtstrend in der Preisentwicklung auf den internationalen Rohstoffmärkten gestoppt..." Der Rohölpreis ging jedoch schon im Mai wieder auf Talfahrt und sackte in wenigen Tagen von 78$/b auf 76$/b (Brentöl) ab. Saudi-Arabien und Russland machen sich für eine höhere Ölförderung stark. Die Sorte WTI gab daraufhin sogar auf unter 70 Euro je Barrel nach.

HWWI: "Die durchschnittlichen Preise der Nahrungs- und Genussmittel stiegen im April erneut. Der Index für Industrieroh­stoffe fiel zum wiederholten Male. Er gab jedoch lediglich um 0,1 % (in Euro: 0,4 %) nach. Die durchschnittlichen Preise für NE-Metalle sind gestiegen, vor allem der Aluminiumpreis. Der Index ohne Energie blieb fast unverändert gegenüber März." Insgesamt tendieren die Rohstoffpreise somit nach oben, doch handelt es sich um einen moderaten Aufwärtstrend, der geringer ausfällt als das weltwirtschaftliche Wachstum.

Ölpreis mit eingebauter Bremse

Bis in den Mai hinein sahen die meisten Kommentatoren den Ölpreis in der Rolle der kommenden Konjunkturbremse. Gold­mann Sachs hatte schon die 80-Dollar-Marke ins Visier genom­men und erste Kassandrarufe sahen ab 90 Dollar eine ernste Bedrohung für die Konjunktur. Mit der 70-Dollar-Marke scheint aber doch eine Grenze erreicht, in der die Erdölförderung wieder attraktiver und das Frackingöl zum ernstzunehmenden Wettbe­werber wird. Politische Krisen in der Golfregion rufen immer auch Spekulationsgeld auf den Plan, das schnell wieder ver­schwindet, wenn die ökonomischen Einflussfaktoren den Preis bestimmen. Die konjunkturelle Wohlfühlzone des Ölpreises wur­de verlassen, aber ihm fehlt derzeit die fundamentale Knapp­heitssituation, um tatsächlich zum Konjunkturkiller zu mutieren.

USA: starkes Wachstum bis 2020, Schuldentilgung kommt nicht von selbst

Der IWF erwartet für die USA ein Wachstum von +2,3% im Jahr 2017 und von +2,9% im Jahr 2018. Im Jahr 2019 soll es dann leicht auf +2,7% zurückgehen. Damit fällt der Aufschwung güns­tiger aus als bisher erwartet. Dies ist eine Folge stabiler Aus­landsnachfrage und der erwarteten makroökonomischen Aus­wirkungen der Steuerreform vom Dezember 2017. Insbesondere die niedrigeren Körperschaftssteuersätze und die befristete Wertberichtigung für Investitionsausgaben werden stimulierend wirken. Zugleich steigen die Staatsausgaben. Die fiskalpoliti­schen Impulse werden voraussichtlich das reale BIP in den USA bis 2020 um 1,2 Prozent höher ausfallen lassen als ohne die Änderungen der Steuerpolitik. Angesichts des gestiegenen Haushaltsdefizits sind in der Folge Anpassungen erforderlich, die ab 2020 das Wachstum niedriger ausfallen lassen als früher angenommen. Eine sich selbst tragende schuldenfinanzierte Wachstumspolitik ist nach dieser Prognose nicht zu erwarten, denn selbst regierungsnahe Experten rechnen mit einem erfor­derlichen Wachstum von deutlich über drei Prozent, damit Steu­ermehreinnahmen aus der guten Konjunkturlage die Schulden finanzieren.

Lateinamerika: Hoffen und Bangen

Die wirtschaftliche Entwicklung in Lateinamerika hat im Jahr 2017 an Schwung gewonnen. Der weltwirtschaftliche Auf­schwung begünstigt die Nachfrage nach Rohstoffen und die Inflation bildete sich auf vier Prozent zurück. Brasilien ist der Rezession entkommen, auch wenn der Aufschwung in der zwei­ten Hälfte des Jahres 2017 schwach ausfiel. Die Industriepro­duktion und die Einzelhandelsumsätze stiegen jedoch weiter und auch die Arbeitslosigkeit sank zuletzt spürbar. Der moderate Aufwärtstrend wird sich weiter fortsetzen. Argentinien wurde durch die Reformen Madri's zum Hoffnungsträger Südamerikas und muss nun doch beim IWF Kredite aufnehmen. Der Grund sind die steigenden US-Zinsen, die zu erheblichen Kapitalab­flüssen führen. Davon sind auch Russland, die Türkei, Südafrika und andere südamerikanische Länder wie Brasilien und Mexiko betroffen. Noch im Januar hatte die argentinische Zentralbank die Zinsen gesenkt, um die Konjunktur zu stützen. Dies stellte sich als Fehler heraus. Inzwischen hat die Zentralbank das Ruder herumgeworfen und den Peso durch hektisch erhöhte Zinsen gestützt. Das wird das Wachstum in 2018 (+2,0%) brem­sen. Insgesamt sehen viele Investoren Argentinien derzeit aber weiterhin als den interessantesten Anlagemarkt der Schwellen­länder. Auch der IWF erwartet für 2019 ein Wachstum von +3,2%. Insgesamt wächst die Wirtschaft in Lateinamerika 2018 um +2,0% und 2019 um +2,8%. Die Krise in Venezuela bremst die Gesamtentwicklung. Die meisten Länder Lateinamerikas werden 2019 um drei Prozent und mehr wachsen.

Indien im Wandel

Die Prognose für das wirtschaftliche Wachstum in Indien hat der IWF unverändert gelassen. Danach wächst die Wirtschaft 2018 um +7,4% und 2019 um +7,8%. Der Aufschwung wird von ei­nem starken privaten Konsum getragen. Angesichts der Struk­turreformen, die die Produktivität und die privaten Investitionen fördern, geht der IWF weiterhin von einer Fortsetzung des ho­hen Wachstums aus. Die hohe Staatsverschuldung erfordert jedoch weitere Konsolidierungsanstrengungen.

China: Dynamik lässt nach

Der Sachverständigenrat sieht die Entwicklung in China skep­tisch. Die kräftige Produktionsausweitung in den vergangenen Jahren ging einher mit einer ebenso kräftigen Kreditexpansion im privaten Sektor. Das wird sich nicht endlos fortsetzen lassen. Das Wachstum des BIP wird von derzeit knapp sieben Prozent bis 2022 auf etwa fünf Prozent sinken. Der IWF sieht das mit einem Rückgang auf etwa +5,5% in 2022 ähnlich.

ASEAN-5 wächst robust

Die ASEAN-5 Wirtschaftsnationen (Indonesien, Malaysia, Philippinen, Thailand, Vietnam) wachsen weitgehend stabil mit +5,3% im Jahr 2018 und +5,4% in 2019.

Japan: besser als gedacht

Japans Wirtschaft ist bekanntlich von Stagnation und schwa­chem Wachstum geprägt. 2018 wird das Wachstum bei +1,2% und 2019 bei +0,9% liegen. Bis 2023 wächst Nippons Wirtschaft mit +0,5% weiter (IWF). Zwischen 2010 und 2018 wuchs die Wirtschaft in den USA um +18,2%, in Deutschland um +15,4% und in Japan um +8,9%. Das mittlere Alter der Bevölkerung liegt in Japan bei 51,8 Jahren, in Deutschland bei 47,6 Jahren und in den USA bei 38,8 Jahren. Entsprechend unterschiedlich ist der Anteil der arbeitsfähigen Bevölkerung im Alter zwischen 15 und 69 Jahren. Bezieht man das Wachstum dieser Länder auf das BIP/Kopf der arbeitsfähigen Bevölkerung, so wuchs dieses in den USA um +12,0%, in Deutschland um +14,7% und in Japan um 16,2% (Handelsblatt 16.04.18). Das hohe Wachstum in den USA ist somit sehr stark durch die wachsende Bevölkerung ge­prägt. Pro Kopf der arbeitsfähigen Bevölkerung ist das Wachs­tum in Japan höher als anderswo. Die Zahlen zeigen zugleich den großen Einfluss der Demographie auf das Wachstum.

Mittlerer Osten und Nordafrika

Im mittleren Osten stabilisiert sich das Wachstum bei ca. +3,6% und damit auf Höhe des mittleren Wachstumspfads (IWF). Die weitere Entwicklung wird durch die erforderliche fiskalische Kon­solidierung in Folge der niedrigen Ölpreise belastet. Zudem kommen hohe Sicherheitskosten hinzu.

Der gestiegene Ölpreis hat die Perspektive verbessert. Saudi-Arabien überwindet die Rezession und wächst 2018 wieder mit +1,7% und 2019 mit +1,9%. Eine starke private Nachfrage und strukturelle Reformen begünstigen das Wachstum in Ägypten mit +5,2% in 2018 und +5,5% in 2019. Das Wachstum Israels entspricht etwa dem Durchschnitt der Region (ca. 3,5%).

Subsahara

Die afrikanischen Länder südlich der Sahara werden 2018 um +3,4% und 2019 um +3,7% wachsen. In den folgenden Jahren erwartet der IWF einen leichten Anstieg auf etwa vier Prozent. Die Länder mit großer wirtschaftlicher Bedeutung wie Nigeria und Angola profitieren von dem gestiegenen Ölpreis und wach­sen um ca. zwei Prozent und mehr.

Türkei

Die Türkei als Brücke zwischen Occident und Orient hatte ein­mal eine Vorbildrolle für die ganze Region. Derzeit verliert sie zunehmend an Vertrauen. Die Türkische Lira befindet sich im freien Fall. Fünf Prozent Wertverlust an einem Vormittag ist fast schon Alltag. Ähnlich wie Argentinien hat die Türkei den Zins gesenkt, um die heimische Wirtschaft anzukurbeln. Gleichzeitig aber stiegen die Zinsen weltweit und das Vertrauen der Investo­ren in den autoritären Führungsstil Erdogans sinkt. Dabei wuchs die türkische Wirtschaft 2017 rekordverdächtig um +7,4%. Das Wachstum beruhte aber auf kreditfinanziertem Konsum und trieb zugleich Inflation und Außenhandelsdefizit in die Höhe. Gleich­zeitig sitzt die Wirtschaft auf Schulden in Höhe von 222 Milliar­den Dollar, die auch in Dollar zurückgezahlt werden müssen, also in Lira täglich mehr werden. Erdogan ruft seine Landsleute auf, diesem Komplott fremder Mächte mit dem Umtausch von gehorteten Euro und Dollar in Lira zu begegnen. Dabei hat Erdogan den Vertrauensverlust selbst mit seiner Politik herbei­geführt und setzte diesem noch die Krone auf, indem er ankün­digte, die Zentralbank auch gleich selbst zu führen. Eine eilig nachgeschobene Zinserhöhung um drei Prozent auf inzwischen 16,5% sollte die Märkte beruhigen, aber hat nur signalisiert, dass es keinen klaren wirtschaftspolitischen Kurs gibt. Am 24. Juni sind Wahlen, die auch über die Einführung eines Präsi­dialsystems in der Türkei entscheiden sollen. Vielleicht korrigie­ren die wirtschaftlichen Notwendigkeiten wieder einmal allzu ideologische Höhenflüge.

Osteuropa: es brummt

Russlands Rückkehr zum Wachstum wurde durch steigende Einnahmen aus den Ölexporten, stärkeres Vertrauen in die wirt­schaftliche Entwicklung und eine Lockerung der Geldpolitik un­terstützt. Das russische Bruttoinlandsprodukt wird in diesem Jahr um +1,7% und im Jahr 2019 um +1,5% wachsen. Die Entwicklung hat auch die angrenzenden Länder im Osten positiv beeinflusst. Aserbaidschan (+2,0%) und Kasachstan (+3,2%) wachsen im Jahr 2018 um etwa einen halben Prozentpunkt stärker als in der letzten Prognose des IWF.

In den mittel- und osteuropäischen Mitgliedsländern der Europä­ischen Union herrscht überwiegend Hochkonjunktur. Exportori­entierte Länder profitieren vom Aufschwung im Euroraum. Zu­gleich steigen die Löhne und die Anzahl der Beschäftigten. Dies treibt den privaten Verbrauch an. In Polen, Tschechien und Ungarn herrscht mittlerweile nahezu Vollbeschäftigung. Die Löhne stiegen in Polen und Tschechien um ca. fünf Prozent und in Un­garn und Rumänien um zehn Prozent über die Vorjahres­werte. Laut Gutachten des Sachverständigenrates führten die seit An­fang 2017 fließenden Gelder aus EU-Förderprogrammen zu einem starken Anstieg der gewerblichen und öffentlichen Bauin­vestitionen. Insgesamt ist in 2018 und 2019 mit einer kräf­tigen Produktionsausweitung zu rechnen. Das BIP wächst 2018 um +4,3% und 2019 um +3,7%.

Euroraum: breiter Aufschwung erfasst die Arbeitsmärkte

Der Aufschwung setzt sich im Euroraum auf breiter Front weiter fort. In der zweiten Jahreshälfte 2017 nahm die Dynamik etwas ab, aber insgesamt wuchs die Eurozone 2017 mit +2,5% kräfti­ger als andere fortgeschrittene Volkswirtschaften. In Frankreich hat sich das Wachstum stark beschleunigt. Dies hat angesichts der Bedeutung des Landes einen großen Einfluss auf die Ge­samtentwicklung. Unter den großen Volkswirtschaften wuchsen Spanien und die Niederlande am stärksten. Die gute Konjunktur schlägt auch auf den Arbeitsmarkt durch. Die Arbeitslosenquote liegt mit 8,5% inzwischen deutlich unter der Zehn-Prozent-Marke.

Das Wachstum wird sich in 2018 (+2,4%) und 2019 (+2,0%) auf hohem Niveau etwas abschwächen. Es liegt damit aber 2018 um fast einen halben Prozentpunkt über der letzten Prognose des IWF und 2019 um über +0,3 Prozentpunkte höher. Das wird vor allem auf die gestiegene Binnennachfrage zurückgeführt.

Ländermeldungen

Stürzt Italien die Eurozone erneut in den Krisenmodus? Dabei ist die italienische Wirtschaft stabil auf Wachstumskurs (+1,5% in 2018) und der Haushaltssaldo liegt mit -1,7% zumindest wie­der im Maastricht-Rahmen. Wenngleich die Verschuldung mit 130,7% des BIP immer noch sehr hoch ist, hat sie sich doch in den letzten Jahren dank niedriger Zinsen auch nicht weiter er­höht. So urteilt Massimo Rostagno, Chef der volkswirtschaftli­chen Abteilung der EZB: "Es wäre schade, sich um die Früchte der Reformen zu bringen, deren Kosten schon unwiederbringlich angefallen sind." Das scheint aber jene nicht zu interessieren, die alle Probleme nach Europa schieben und in der Illusion le­ben ohne Europa wäre alles besser. Da sind sich die Populisten von der Themse bis zum Po einig.

Mit 15,5% Anteil am BIP der Eurozone ist Italien etwa um das Zehnfache gewichtiger als Griechenland mit 1,6%. Somit ist die Frage, ob die Eurozone eine Rettungsaktion wie in Griechenland überhaupt schultern könnte, von der politischen Durchsetzbar­keit abgesehen. Wie erpressbar ist die Eurozone? Italiens Notenbank ist mit 440 Mrd. Euro bei der EZB (Target-Salden) ver­schuldet. Bei einem Austritt könnte sie insolvent werden und dann müssten die restlichen Eurostaaten anteilig dafür eintreten. Somit schlägt der Koalitionsvertrag ernsthaft vor, die übrigen Eurostaaten mögen Italien 250 Mrd. Euro Staatsschulden erlassen (vorerst). Bis es zu einem möglichen Austritt kommt, würden die Target-Salden weiter anschwellen, weil privates Kapital aus dem Land flieht. Man bekommt quasi Angst vor der eigenen Stimmabgabe. Das könnte die EZB nur verhindern, wenn sie die italienische Regierung zwingt Kapitalverkehrskontrollen einzu­führen.

Das Verhältnis zwischen Italien und den übrigen Euroländern ist bereits soweit ruiniert, dass gemeinsame Lösungen mit der de­signierten Regierung kaum möglich sind. Man stelle sich ein osteuropäisches Land vor, das durch die Schmerzen der Trans­formation gegangen ist und nun die selbst verursachten Luxus­probleme des immer noch sehr reichen Italien finanzieren soll. Das wäre nicht vermittelbar, zumal eine Rettung ohne strenge Auflagen nur ein Fass ohne Boden wäre, wenn man das Wohl­fühlprogramm der Koalitionäre ansieht. Die Auflagen aber wären ja dann wieder dem bösen Europa zuzurechnen. Da wären die 440 Mrd. noch der bessere Deal. Italien verließe den Euro mit allen hohen Kosten auf beiden Seiten.

Die Märkte reagieren mit kräftigen Aufschlägen auf italienische Staatsanleihen. Bei zehnjähriger Laufzeit lag der Zins bei ca. 3,5%. Der italienische Aktienindex hat in der zweiten Maihälfte fast zwölf Prozent verloren. Deutsche Bundesanleihen sind als sicherer Hafen wieder auf 0,3% gefallen. Für schwächere Volkswirtschaften geht das weniger gut aus. So ist der Zinssatz für Staatsanleihen in Griechenland, Portugal und Spanien eben­falls gestiegen. Solche Ansteckungseffekte zeigen die Gefahren für die gesamte Eurozone auf, denn trotz aller Konsolidierungs­fortschritte würden viele Länder in große Probleme kommen. Und wenn doch noch die Vernunft siegt?

Zwischen den Vorsätzen der griechischen Regierung und ihren Taten gab es auch einen Lernprozess. Die EU könnte Italien bei einer fairen Lastenverteilung der Flüchtlingsaufnahme entge­genkommen und auch mehr für die Grenzsicherung tun. Die Fiskalregeln wurden in der EU nicht zum ersten Mal gedehnt. Wenn es um die Finanzierung von wachstumsförderlichen Struk­turreformen oder Steuersenkungen ginge, könnte man Italien ein größeres Haushaltsdefizit zubilligen. Zu einem Schuldenerlass wird man sich nicht erpressen lassen. Vorerst gilt es abzuwar­ten, denn wenn es wirtschaftlich richtig weh tut, kommt der Ver­stand meist doch noch zu rationalen Entscheidungen. Zum Trost sei das Handelsblatt-Morning Briefing zitiert: Arthur Schopen­hauer war seiner Zeit voraus: "Mit Italien lebt man wie mit einer Geliebten, heute im heftigen Zank, morgen in Anbetung", schrieb der Philosoph, "mit Deutschland wie mit einer Hausfrau, ohne großen Zorn und ohne große Liebe".

Zinsen hoch und tief

Das Konjunkturförderprogramm Donald Trumps mitten in der Hochkonjunktur treibt Staatsschulden und Löhne an und damit auch die Inflation. Die Zinsen der US-Anleihen steigen derzeit nicht mehr an, aber liegen weiterhin in der Nähe von drei Pro­zent. Das hat bereits zu Kapitalverlagerungen von Schwellenländern in die USA geführt (siehe Argentinien). Analysten sehen ab 3,5% die Gefahr deutlich ansteigen, dass Anleger Aktien in Anleihen umschichten und damit den Aktienmarkt belasten und Kapitalmärkte in Schwellenländern austrocknen. Inwieweit aber beeinflusst das amerikanische Zinsniveau die Zinsen in Europa? Der hohe Schuldenstand vieler Haushalte würde Leitzinsen jen­seits von zwei Prozent kaum verkraften. Die EZB ist zum Sanie­rer der Staatsfinanzen geworden. Deutschland sparte durch niedrige Zinsen in den letzten zehn Jahren mit 294 Mrd. Euro mehr als jedes andere europäische Land, gefolgt von Frankreich (275 Mrd. €) und Italien (216 Mrd. €).

Umso stärker die Preise anziehen und umso niedriger die Zin­sen gehalten werden können, umso höher der Entschuldungs­effekt. Diese Politik wird die EZB so lange fortsetzen wie irgend möglich. Die Bauzinsen könnten steigen, aber würden auf histo­risch niedrigem Niveau bleiben, vor allem dann, wenn die Krisen sich verschärfen.

Politik schwächt Euro

Der Euro kostet derzeit knapp 1,17$ und liegt damit eher am unteren Rand der Kursspanne des letzten Jahres (1,11$ bis 1,26$). Das starke Wachstum in den USA und die politischen Unsicherheiten in Europa lassen auch weiterhin einen eher nied­rigen Kurs erwarten.

Fazit

Das Wirtschaftswachstum bleibt 2018 und 2019 weiterhin auf hohem Niveau, wobei sich die Zuwachsraten etwas abschwä­chen. In den fortgeschrittenen Volkswirtschaften wird der Höhe­punkt des Wachstumszyklus 2019 überschritten und insbeson­dere die Nachteile der aktuellen Strohfeuerpolitik der USA belas­ten die Weltwirtschaft in der Folge. Wirtschaftlich entwickelt sich Europa derzeit besser als andere fortgeschrittene Volkswirt­schaften und nachhaltiger als die USA. Allerdings gelingt es nicht, die strukturellen Unterschiede abzubauen, so dass sich die Spannungen immer wieder politisch entladen. Die aktuelle Rhetorik fällt jedoch meist dramatischer aus als das Handeln. Mit so zahlreichen internen Problemen ist Europa jedoch schlecht aufgestellt, um den stärkeren äußeren Bedrohungen entgegenzutreten. Man spricht mehr über die Poltergeister, aber darüber sollte nicht vergessen werden, dass China für ein freies Europa eine viel größere Gefahr darstellt. Zu den Herausforde­rungen gehören vor allem der voranschreitende Protektionis­mus, die weltweite Verschuldung, die Unwägbarkeiten der Digi­talisierung und das wachsende Potential militärischer Konflikte auf dem Nährboden immer aggressiver werdender Rhetorik, selbst zwischen Freunden.

Die Lage ähnelt dem Wetter zum Ende des Mai 2018: ange­nehmes sommerliches Wetter bei jederzeit möglichem Unwetter.

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