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Marktbericht Dezember 2018

Für nicht angemeldete Nutzer steht als Leseprobe ein Teil des ersten Kapitels zur Verfügung. Sollten Sie Interesse an unseren kompletten Marktberichten haben, kontaktieren Sie uns bitte unter marktforschung@heinze.de.

Allgemeine Wirtschaftsentwicklung

Internationale Konjunktur

Konsequenzen des Handelskriegs

Die Preise in den USA sind aufgrund der eingeführten Einfuhr­zölle deutlich gestiegen. US-Unternehmen drosseln die heimi­sche Produktion und verlagern Arbeitsplätze ins Ausland. Die Spirale von Zöllen und Gegenzöllen hinterlässt auch in China Bremsspuren. Diesen Erfahrungen ist es wohl zu danken, dass die weltwirtschaftlichen Giganten den Handels­krieg von Stroh­feuer auf Sparflamme umgestellt haben. Das ist nicht nur für die Weltwirtschaft, sondern auch für Deutschland mit seiner export­abhängigen Wirtschaft ein gutes Zeichen.

Welthandel schwächelt

Das Säbelrasseln hat auf dem Welthandel jedoch Spuren hinter­lassen. Ging der IWF im Spätsommer noch von einem Wachs­tum von etwa drei Prozent in 2019 und 2020 aus, so wird er nach der Prognose des IfW im Jahr 2019 nur noch um +2,3% wachsen und 2020 um +2,8%. "Die mit der US-Politik verbunde­ne Erosion der multilateralen Welthandelsordnung droht das weltwirtschaftliche Wachstumspotenzial zu verringern, da sie globale Wertschöpfungsnetzwerke in Frage stellt. Deren Aufbau hat in den vergangenen Jahrzehnten zur starken Expansion der Weltwirtschaft beigetragen."

Stabiles Wachstum oder Rezession

Die fallenden Börsenkurse und Wachstumseinbrüche im III. Quartal lassen Rezessionsängste aufkommen. Die meisten Experten gehen jedoch eher von einer vorübergehenden Wachstumsschwäche aus als von einer bevorstehenden Rezes­sion. Besorgt äußert sich hingegen der ehemalige Vizepräsident der EZB Constâncio. Er sieht die derzeit boomende US-Wirtschaft als größtes Risiko für die Weltwirtschaft. Wie viele andere Ökonomen erwartet er für das Jahr 2020, dass die USA eine deutliche Abschwächung erleben und eine Rezession in viele Teile der Welt exportieren wird. Davon seien zunächst die Schwellenländer, in der Folge aber auch Europa betroffen.

Zum Konjunkturbarometer: Constâncios Befürchtungen

Die meisten Prognosen gehen davon aus, dass die Weltwirt­schaft bis 2020 ohne Glanz aber einigermaßen stabil wachsen wird. Dabei bleiben die schwelenden Krisen weiterhin ein Risiko­faktor. Deren Ausbruch ist in den Prognosen nicht vorgesehen.

Sofern Constâncios Befürchtungen eintreten würden, würde die Politik des "besten Präsidenten aller Zeiten" das Wachstum in den USA bei hohen Preisen zum Erliegen bringen. Der Welt­handel würde nicht wie derzeit noch erwartet 2020 wieder stei­gen, sondern weiter an Kraft verlieren. Die Rezession würde die Rohstoffpreise sinken lassen. Bei nachlassender Konjunktur müssten die Preise eigentlich sinken, jedoch wirken die ruinier­ten Institutionen der Weltwirtschaft und der Protektionismus dem entgegen. Die Zinsen dürften in Europa weiterhin niedrig blei­ben. Dabei ist noch nicht berücksichtigt, dass ein weltwirtschaft­licher Konjunktureinbruch Probleme wie den Brexit oder die itali­enische Schuldenkrise noch verschärfen würde.

Das konjunkturelle Binnenwachstum würde in eine Stagnation übergehen. Dies dürfte den Staat veranlassen, den Verbrauch wie auch die Investitionen zu steigern. Insgesamt könnte die deutsche Wirtschaft mit einem blauen Auge davonkommen. Ne­ben der staatlichen Nachfrage dürfte auch der Bau weiterhin eine tragende Säule der wirtschaftlichen Entwicklung bleiben.

Der Aufschwung im Wohnungsbau wurde abgeschwächt anhal­ten, der Wirtschaftsbau dürfte in eine moderate Talfahrt überge­hen, während der Staat seine öffentliche Bautätigkeit kräftig ausweiten würde, um dem Abschwung entgegenzuwirken.

Noch ist die Mehrheit der Experten für 2020 verhalten optimis­tisch, doch zeigen so abweichende Meinungen von kompetenter Stelle, dass wir weiterhin in volatilen Zeiten leben, in denen Vie­les möglich ist.

Preise für Industrierohstoffe geben nach, Rohöl unter politischem Einfluss

Während der Ölpreis im Oktober mit 85 $/b noch Höchstwerte erzielte, ist er inzwischen auf ca. 60 $/b abgerutscht. Die Ab­sprachen zwischen Saudi-Arabien und Russland dürften besten­falls den Verfall aufhalten, aber kaum zu einer Preiswende füh­ren. Zu groß ist die Versuchung anderer Anbieter, ihr Angebot auszubauen. Je stärker sich die Weltwirtschaft abschwächt, des­to schwieriger wird es mit Produktionskürzungen positive Preis­effekte zu erzielen. Der Ölpreis dürfte auch weiterhin auf dem derzeitigen Niveau verharren. Auch andere Rohstoffpreise ge­ben derzeit nach.

"Der HWWI-Teilindex für Nahrungs- und Genussmittel fiel um -2,1% (in Euro: -1,1%), nachdem er im letzten Monat seit Mai dieses Jahres zum ersten Mal gestiegen war. Bei den Industrie­rohstoffen konnte der negative Preistrend im November nicht gestoppt werden. Im November sank der Index für Industrierohstoffe um -1,0% (in Euro: ±0,0 %). Damit fiel der Preisrückgang bei den Industrierohstoffen stärker als im Vormonat aus. Der Index ohne Energie fiel um -1,4% (in Euro: -0,4%) auf 106,8 Punkte (in Euro: 104,4 Punkte). Im November belasten weiter die Befürchtungen über eine schwächere Weltkonjunktur die Rohstoffmärkte." (HWWI-Rohstoffpreisindex).

USA: "großartige Eigentore"

Die Zuwachsrate wird 2019 noch bei +2,5% liegen und 2020 auf +1,9% weiter zurückfallen. Damit wird sich auch die Inflationsra­te von 2,5% in 2018 wieder auf gut 2,0% in den Folgejahren zurückbilden. Der Aufschwung in den USA ist fast ausschließlich vom Staat und vom privaten Konsum getrieben. Die Unterneh­mensinvestitionen treten auf der Stelle. Die Unternehmen wis­sen zum Teil gar nicht wohin mit der Geldschwemme und kau­fen kräftig eigene Aktien zurück. Das Strohfeuer überdeckt der­zeit noch die eigentlichen Probleme. Die Auswirkungen der aggressiven Handelspolitik zeigen langsam auch in der ameri­kanischen Wirtschaft Bremsspuren. Der Abbau von 20.000 Stel­len bei Ford ist auch auf die hohen Stahlpreise zurückzuführen. Zudem häufen sich die Gewinnwarnungen der Unternehmen. In den USA und Europa kehrt die Inflation zurück und gleichzeitig steigen an den Finanzmärkten die Zinsen. Die Steuerreform für Reiche dürfte diese Entwicklung beschleunigt haben. Nicht nur die US-Notenbank ist gezwungen die Zinsen stärker zu erhöhen als ohne die "größte Steuerreform aller Zeiten", auch die Risikoaufschläge erhöhen sich wieder. Dies könnte den hochverschul­deten Unternehmen gefährlich werden. Die Börsen reagieren sensibel und gefährden damit langfristig auch den privaten Kon­sum, denn in kaum einem anderen Land der Welt sind die Ver­braucher so stark in den Aktienmarkt involviert wie in den USA. Damit haben Kursschwankungen erhebliche Auswirkungen auf die Kaufkraft der Konsumenten.

Lateinamerika

Die Prognose zur wirtschaftlichen Lage in Lateinamerika hat sich im Vergleich zum letzten Bericht kaum verändert. Die Wirt­schaftspolitik des neuen Präsidenten Brasiliens Bolsonaro ist noch unklar. Sollte er keinen Reformkurs einleiten, dürfte der weitere Abstieg des Landes vorprogrammiert sein. Die ausländischen Direktinvestitionen sanken im 1. Halbjahr 2018 um -22%. Auch im Index der Wettbewerbsfähigkeit der Länder, sackte die größte Volkswirtschaft Südamerikas seit 2014 von Platz 57 auf Platz 72 von 137 Staaten ab. Das belastet auch die Entwicklung und den Reformkurs im Nachbarland Argentinien. Präsident Macri hat das Land nach der Misswirtschaft der Kirchners wie­der für den Handel geöffnet, die Kapitalverkehrskontrollen abge­schafft, sich mit den Gläubigern des Landes geeinigt und Unter­nehmer umworben. Das hohe Defizit im Staatshaushalt ließ er jedoch unangetastet und muss auf internationalen Druck nun die Sanierung in einer noch schwierigeren Situation angehen. Das birgt erneut die Gefahr von sozialen Konflikten, die die wirt­schaftliche Lage des Landes noch stärker destabilisieren könn­ten.

China: vom gelobten Absatzmarkt zum Marktkolonialisten

Die Bewertung Chinas im weltwirtschaftlichen Kontext hat sich in jüngster Zeit verändert. Das rücksichtslose Kopieren von Wissen und Technologie hat man ohnehin viel zu lange geduldet. Dabei ging man davon aus, dass sich China dem Modell der westli­chen Marktwirtschaften irgendwann anpassen würde. Die Hoff­nung wurde jedoch enttäuscht. Unter Präsident Xi Jingping geht der Trend eindeutig in Richtung Staatswirtschaft. Das hat inzwi­schen auch den Bund der Deutschen Industrie (BDI) veranlasst einen Strategiewechsel gegenüber China zu vollziehen. China ist vom Partner zum Kontrahenten geworden. Konnte die Erobe­rung des riesigen chinesischen Marktes früher gar nicht schnell genug gehen, warnen BDI und Bundesregierung inzwischen gemeinsam vor einer allzu großen Abhängigkeit vom Reich der Mitte. Die aggressive Industriepolitik Pekings hat inzwischen auch die Bundesregierung alarmiert. Sie versucht mit einer Ver­schärfung der Außenwirtschaftsverordnung die Übernahme deutscher Hightechfirmen durch chinesische Investoren zu er­schweren. Nicht nur in Afrika macht man Länder über schulden­finanzierte Infrastrukturprojekte abhängig, selbst europäische Länder wie Griechenland und Ungarn sind in ihrem Abstim­mungsverhalten in der EU nicht mehr ganz frei von chinesi­schem Einfluss. China hat erkannt, dass es den Bogen über­spannt hat und startet eine Charmeoffensive. Herauskommen soll dabei ein Investitionsabkommen mit der EU und eine Frei­handelszone mit Japan.

Fake news auf Chinesisch

Auch die Daten der chinesischen Volkswirtschaft werden zu­nehmend kritisch gesehen. Das offizielle Wachstum soll 2018 +6,6% betragen haben. Da die Provinzen wirtschaftliche Vorga­ben bekommen, arbeiten sie möglicherweise nicht nur daran, diese zu erfüllen, sondern auch daran, dass die Daten den Eindruck erwecken, dass sie erfüllt worden wären. Experten schät­zen das tatsächliche Wachstum im Jahr 2018 auf +4,1%. Wider­sprüche zeigen sich auch bei der Summierung des Bruttoin­landsprodukts der einzelnen Wirtschaftszweige und der einzel­nen Provinzen. So fallen die Zahlen der Volkswirtschaft insg­samt stets deutlich höher aus. Realistisch betrachtet könnte auch das volkswirtschaftliche Gewicht Chinas in der Welt 16,3% statt 18,7% betragen.

Südostasien: Stabilitätsanker

Die südostasiatischen Schwellenländer bleiben nach wie vor ein Kraftzentrum der Weltwirtschaft. Lediglich für Südkorea ist die aktuelle Prognose etwas geringer ausgefallen. Insgesamt wird eine Abschwächung des Wachstums des asiatischen Raumes von +6,2% auf +5,9% erwartet.

Osteuropa wächst stabil

Die osteuropäischen Länder wachsen im Jahr 2019 mit +3,5% nochmals um einen halben Prozentpunkt stärker als noch vor einem Quartal erwartet. Das ist vor allem eine Folge des beson­ders starken Wachstums in Polen. Im Jahr 2020 erwartet man für das Wachstum der osteuropäischen Beitrittsländer einen Zuwachs in Höhe von +3,0% (zuvor: +2,9%).

Euroraum: Dämpfer im III. Quartal

Das Wachstum im Euroland hat sich für 2019 und 2020 um 0,2 Prozentpunkte verringert und liegt damit im Jahr 2019 bei +1,7% und im Jahr 2020 bei +1,5%.

Die konjunkturelle Dynamik im Euroraum hatte sich bereits im ersten Halbjahr 2018 deutlich abgeschwächt. Im III. Quartal 2018 traf sie ein weiterer Dämpfer. Das Bruttoinlandsprodukt nahm nur noch um knapp +0,2% gegenüber dem Vorquartal zu. Hauptursache für die schwache Entwicklung war der Außen­handel. Private und öffentliche Konsumausgaben stützten wei­terhin die Konjunktur. Die exportgetriebene Hochkonjunktur ist damit vorerst beendet. Zur Schwäche im III. Quartal haben vor allem Deutschland und Italien beigetragen, wo die Wirt­schaftsleistung um -0,2% bzw. -0,1% schrumpfte. Auch in den Niederlanden ging die gesamtwirtschaftliche Dynamik im Vergleich zum ersten Halbjahr deutlich zurück. In Frankreich und Spanien konnte das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt hingegen mit +0,4% bzw. +0,6% recht kräftig zulegen. Damit hatte sich die französische Konjunktur nach einem schwa­chen ersten Halbjahr mit Verlaufsraten von jeweils +0,2% wieder erholt. Die aktuelle Streikwelle dürfte sich jedoch er­neut negativ auf die konjunkturelle Entwicklung auswirken. Die spanische Wirtschaft setzte ihre starke Expansion der vergangenen Jahre fort. (ifo)

Die Arbeitslosenquote ist im Euroraum mit 8,1% weitgehend stabil geblieben. Während sich der Rückgang in Spanien (14,8%), Deutschland (3,3%) und den Niederlanden (3,7%) fort­setzte, ist die Arbeitslosenquote in Italien seit August auf zuletzt 10,6% gestiegen. In Frankreich blieb sie in den vergangenen Monaten weitgehend unverändert bei 8,9%. (ifo)

Die Inflation hat im Verlauf dieses Jahres zugenommen. Im Oktober erreichte sie im Euroraum mit einer Rate von +2,2% den höchsten Wert seit dem Jahr 2012. Ausschlaggebend für den kräftigen Auftrieb waren die Energiepreise. Der Anstieg der Lohnkosten dürfte den Preisdruck erhöht haben. (ifo)

Ländermeldungen: Europa einig und doch nicht geeint

Nach wie vor bestimmen Großbritannien und Italien die euro­päische Agenda. Die europäischen Länder sind sich einig, dass der Austrittsvertrag mit Großbritannien nicht erneut verhandelt werden kann. Dennoch würde man Theresa May gern helfen das britische Parlament umzustimmen. Aber auch da wird die Vernunft vermutlich nur durch den Markt einziehen. Bei einem harten Brexit würde das britische Pfund massiv unter Abwer­tungsdruck geraten und es drohten deutliche Realeinkommens­verluste. Die Realeinkommen waren in den letzten Jahren oh­nehin fast nicht gestiegen. Im Oktober sank der Ausstoß im Ver­arbeitenden Gewerbe um -0,6%. In der Industrie wurde die Fer­tigung sogar um -0,9% zurückgeschraubt.

Die Anzeichen mehren sich, dass die italienische Volkswirt­schaft in eine Rezession rutschen könnte. Noch hoffen Exper­ten, dass der Druck der Märkte die italienische Regierung zum Einlenken zwingt. Das könnte die EZB in eine schwierige Lage bringen, denn wenn sich die Regierung in Rom offensichtlich nicht an europäische Spielregeln halten will, kann die EZB kaum zur Unterstützung eingreifen, ohne unglaubwürdig zu werden. Die italienische Regierung will mit Ausgabeprogrammen die Konjunktur anfeuern und bewirkt zugleich ein Anstieg der län­gerfristigen Zinsen. Die Banken werden schließlich die höheren Zinsen an die Kunden weitergeben müssen. Das dürfte den positiven Effekt durch höhere Staatsausgaben mindestens auf­wiegen. Mit anderen Worten: Die Schulden sind weiter gestie­gen, ohne dass irgendetwas erreicht worden wäre. Dabei verhält sich die italienische Regierung ähnlich rücksichtslos wie die Brexit Hardliner in Großbritannien. Das Land wird dem Macht­streben einzelner Interessengruppen geopfert.

Aktiencrash

Der Börsenexperte John Mauldin rät Anlegern sich auf das Schlimmste vorzubereiten. Die globale Wirtschaft ist mit etwa 250 Billionen Dollar verschuldet. Das ist etwa das 60-fache des deutschen Bruttoinlandsproduktes. Die Summe sei sogar dop­pelt so hoch, berücksichtige man zudem die nicht finanzierten Verpflichtungen wie Rentenzahlungen. Vor allem die Unterneh­mensverbindlichkeiten in den USA machen ihm Sorgen. Das Problem ist die große Zahl der Ramschanleihen. Etwa die Hälfte des Marktes für US-Firmenbonds liegt nur noch eine Stufe über dem Ramschniveau. Im Ernstfall würden die Agenturen diese Bonds auf Junkniveau abstufen. Institutionelle Anleger müssten die Papiere dann verkaufen. Der Markt würde einbrechen und eine Rezession wäre unvermeidlich.

Der DAX hat im Oktober so stark verloren wie zuletzt in der Finanzkrise. Im Oktober des Jahres 2008 brachen die Kurse um -14,5% ein. Im Oktober 2018 immerhin um -8,1%. Interessant ist auch, dass die Aktien-Überflieger (Apple, Amazon, Facebook und Co.) zuletzt drastisch an Wert verloren haben. Plötzlich ist "Old Economy" wieder hochgeschätzt und "High-Tech-Werte" werden gemieden. Das erinnert fatal an das Boom- und Absturz­jahr 2000.

Toxische Verbindung

Die meisten Anlageexperten teilen zwar nicht die extreme Mei­nung Mauldins, doch ist das nicht die einzige Zeitbombe. In vie­len Bankbilanzen türmen sich die Staatsanleihen aus dem eige­nen Land. Das stellt zugleich ein Problem der EU-Einlagensicherung dar. Müsste eine Bank gerettet werden, die überwiegend Staatsanleihen hält, so käme dies einer indirekten Finanzierung von Staatsschulden durch die EU gleich. Insbe­sondere italienische und spanische Banken halten große Anteile von Schuldpapieren ihres Heimatlandes. Grundsätzlich ist da­gegen nichts einzuwenden, aber die Dosis ist das Problem. Eine Obergrenze für den Ankauf von Anleihen des Heimatlandes wird von einer Mehrheit der EU-Länder angestrebt, doch stößt sie insbesondere in Südeuropa auf Widerstand. Dahinter mag nicht unbedingt die böse Absicht stehen, Schulden abzuwälzen, wohl aber die Sorge davor, sich nicht mehr günstig verschulden zu können. Aus dem gleichen Grunde wehren sich diese Länder auch dagegen Eigenkapitalvorschriften für Staatsanleihen einzu­führen. Die sind längst nicht mehr "mündelsicher", aber werden immer noch so behandelt.

Keine Zinserhöhung der EZB?

Das Inflationsziel der EZB ist mit zwei Prozent so gut wie er­reicht. Bei genauerem Hinsehen stellt sich die Situation jedoch differenzierter dar. Die Kerninflationsrate wird auch in den kom­menden beiden Jahren mit +1,5% unter dem Inflationsziel lie­gen. Die derzeitige Preissteigerungsrate von 2,0% wird nach Ansicht des Handelsblatt-Schattenrates bis 2020 wieder auf +1,5% zurückgehen. Die erste Zinserhöhung der EZB wurde für den Sommer 2019 erwartet. Angesichts der zunehmenden wirt­schaftlichen Probleme in der Eurozone verwies man vorsichts­halber schon einmal darauf, dass diese Entscheidung von der weiteren Entwicklung abhängt. Selbst aus den USA vernimmt man trotz heiß gelaufener Konjunktur inzwischen sanftere Töne. Die FED sieht die wirtschaftliche Entwicklung etwas anders als der Präsident. Die weltwirtschaftlichen Konjunkturprogramme und das Auslaufen der Effekte amerikanischer Strohfeuerpolitik lässt auch die FED vorsichtiger an der Zinsschraube drehen. Es wäre also nicht überraschend, wenn im Jahr 2019 an der Zins­front gar nichts passiert.

Niedrige Zinsen für immer

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) weist darauf hin, dass das derzeit niedrige Zinsniveau nicht allein auf die unterstützen­de Geldpolitik der Notenbanken zurückzuführen ist. Vielmehr liegen langfristige Abwärtstrends vor. Auf lange Sicht werden die realen Zinssätze, vor allem bedingt durch demographische Fak­toren, sinken. Eine ältere Bevölkerung ist von einem Überfluss an Sparanlagen gekennzeichnet. Am Beispiel Japans hat man statistisch nachgewiesen, dass jedes zusätzliche Jahr an Le­benserwartung, die Realzinsen um rund einen Prozentpunkt absenkt. Diese Zahl erscheint selbst den Experten des IW als "sehr hoch". Aber zwischen 1990 und 2016 hat sich die Lebens­erwartung weltweit um 5,7 Jahre verlängert und zugleich haben sich die Realzinsen um 4,1% verringert. Wie auch immer der quantitative Effekt ausfällt, tendenziell scheint es einen deutli­chen Zusammenhang zwischen Lebenserwartung und Zinsrück­gang zu geben. Das hängt auch mit der Produktivität zusam­men. Wenn der Anteil der im Arbeitsleben stehenden Bevölke­rung sinkt, sinkt auch die volkswirtschaftliche Produktivität. Damit reduzieren sich die Möglichkeiten am Kapitalmarkt höhere Zinsen zu erzielen.

Das IW prognostiziert einen Anstieg der deutschen Realzinsen bis zum Jahr 2025 auf +1,3%. Das ist kein Widerspruch zu den Analyseergebnissen, sondern ist im Wesentlichen auf den Abbau von Verzerrungen durch die aktuelle Geldpolitik zurück­zuführen. Danach wird sich der Trend bis zu einem Rückgang auf +0,5% bis 2035 und auf 0,0% bis 2050 zurückbilden.

Die Zinspolitik der Notenbanken wird damit immer mehr zu einem schwachen Schwert. Sie wird also zunehmend auf ande­re Instrumente zurückgreifen müssen. Der Ankauf von Wertpa­pieren und Anleihen wird derzeit auf dem aktuellen Niveau ein­gefroren. Dieses Instrument dürfte jedoch in Zukunft größere Bedeutung erlangen und noch häufiger angewendet werden.

Fazit

Die weltwirtschaftlichen Wachstumsraten gehen geringfügig zu­rück. Sie weisen damit auf eine nachlassende Dynamik hin, aber sind doch noch weit entfernt von einer Krisensituation. Die Zahl der Krisenherde und Bedrohungen der Weltwirtschaft bleibt. Insbesondere die wirtschaftliche Entwicklung in den USA dürfte ab 2020 zu einer Belastung werden. Der asiatische Raum stabi­lisiert die weltwirtschaftliche Entwicklung, doch gehen von ihm keine neuen Wachstumsimpulse aus. Die Entwicklung in Latein­amerika wird sehr stark davon abhängen, ob es gelingt, die poli­tische Krise zu meistern. Europa hätte hervorragende Chancen in dieser Situation zu einem Leuchtturm der politischen und wirt­schaftlichen Stabilität zu werden, wäre es nicht - wie der Rest der Welt - mit der Bewältigung selbst verursachter Probleme beschäftigt.

Das allein könnte einem die Sorgenfalten auf die Stirn treiben. Berücksichtigt man jedoch, dass der Wert der globalen Aktien- und Kreditmärkte die weltweite Wirtschaftsleistung mittlerweile um mehr als das Doppelte übertrumpft, so könnte es einem schlaflose Nächte bereiten. Eine solche Relation hat es in der Geschichte noch nicht gegeben. Man tanzt sehenden Auges auf einem Vulkan und für den Fall eines Ausbruchs von realen, wirt­schaftlichen oder politischen Krisen hat man auch noch einen vortrefflichen Brandbeschleuniger im Gepäck.

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