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Marktbericht April 2022

Für nicht angemeldete Nutzer steht als Leseprobe ein Teil des ersten Kapitels zur Verfügung. Sollten Sie Interesse an unseren kompletten Marktberichten haben, kontaktieren Sie uns bitte unter marktforschung@heinze.de.

Allgemeine Wirtschaftsentwicklung

Internationale Kriegswirtschaft

Springflut der Krisen

Der scheidende Vorsitzende der Münchner Sicherheits-konferenz Wolfgang Ischinger resümierte: "Seit ich 2008 den Vorsitz der Sicherheitskonferenz übernommen habe, gab es noch niemals so viele krisenhafte Entwicklungen wie heute." Hierzu zählte er - am 14.02.2022 - den bevorstehenden Krieg in der Ukraine, das Scheitern des Westens in Afghanistan und Mali, die noch nicht überwundene Pandemie, den Klimawandel und die wachsenden geopolitischen Spannungen mit China auf. Die Überforderung führe zu einem Gefühl der Hilflosigkeit, das sich Umfragen zufolge in Demokratien stärker festgesetzt hat als in autoritär geführten Staaten. Für die Wahrnehmung, dass internationale Organisationen nicht mehr als unverzichtbar angesehen werden, mögen sich in der Gegenwart Anhaltspunkte finden. Dadurch wird aber letztlich das Lösungspotenzial weiter geschwächt.

24.02.2022

Zehn Tage nach Vorstellung des Munich Security Reports 2022 wurde der Krieg in der Ukraine brutale Wirklichkeit und teilt seither auch die wirtschaftlichen Entwicklungen in solche, die schon vor diesem Datum bestanden, und solche die dadurch hinzugekommen sind oder verschärft wurden. Für die weitere Entwicklung ist beides von Bedeutung. In diesem Bericht werden wir die Bedeutung der Entwicklungen für das bauwirtschaftliche Umfeld herausarbeiten.

Kriegsfolgen im Überblick

Der erwartete Aufschwung durch den privaten Konsum wird geringer ausfallen. Die hohen Energiekosten treiben die Inflation und dämpfen die Kaufkraft. Ausgabeprogramme würden die konjunkturelle Lage kaum verbessern, da es keinen Mangel an Nachfrage gibt, sondern eine Verknappung des Güterangebotes besteht. Auch die EZB kann nicht viel tun, denn wenn sie die Geldpolitik weiter lockert, während die US-Notenbank diese straft, wird das den Außenwert des Euro verringern und die Inflation über höhere Importpreise (z. B. Gas) weiter antreiben. Größere Wohlstandsverluste könnten zudem als Folge von Produktionsausfällen in energieintensiven Industrien entstehen. Schon der Ausstieg aus Kernkraft und Kohle war eine Herkulesaufgabe. Die Einschränkungen, die jetzt durch die Gas-Krise hinzukommen, machen die Aufgabe nicht leichter. Energieintensive Industrien werden noch stärker unter Druck geraten. Schon jetzt ist klar, dass die USA als Standort mit günstigen Energien zu den Gewinnern des Konfliktes zählen werden.

Sicherheitsausgaben

Eine Besonderheit der Ausgaben für Sicherheit (Polizei, Militär) ist, dass Teile des Volkseinkommens für sie aufgewendet werden, ihnen aber kein größeres Warenangebot gegenübersteht. Im günstigen Fall erhöht es den immateriellen Wohlstand (Dienstleistung Sicherheit), reduziert aber zugleich den materiellen Wohlstand (Auto, Haus, Ernährung). Dabei geht es um erhebliche Ausgabesummen (Friedensrendite). Polen will die Zahl seiner Soldaten von 150.000 auf 300.000 innerhalb von fünf Jahren verdoppeln. Griechenland hat das größte Aufrüstungsprogramm seiner jüngsten Geschichte gestartet. Es gab bereits im vergangenen Jahr 3,8 % des BIP für Verteidigung aus. In Nordeuropa übertrumpfen sich derzeit die Politiker mit Ankündigungen zu höheren Militärausgaben. Dänemark wird die Militärausgaben auf 2,3 Milliarden € verdoppeln und Finnland will seine Luftabwehr deutlich verstärken. Italien will das jährliche Verteidigungsbudget bis 2027 bis zu 10 Milliarden € steigern. Die Atommacht Frankreich will sich stärker auf konventionelle Bedrohungsszenarien vorbereiten. Sicherheitsausgaben erzeugen Einkommen, aber keine marktfähigen Güter. Das erhöht tendenziell die Inflation.

Zuwanderung

Eine weitere Folge des Krieges sind Wanderungs-bewegungen. Mitte März waren etwa 250.000 Flüchtlinge aus der Ukraine in Deutschland angekommen. Infolge der Wanderungsbewegungen des Jahres 2015 bestehen immer noch Infrastrukturen und Kapazitäten für die Flüchtlingsaufnahme, auch wenn der Anlauf nicht reibungslos erfolgte. Außerdem federt die spontane Hilfsbereitschaft Privater Haushalte den Druck auf Unterbringungserfordernisse ab. Auch freie Hotelkapazitäten bieten Übergangslösungen. Inwieweit sich aus der Flüchtlingswelle ein erhöhter Baubedarf ergibt, wird sehr stark von der Dauer der Krise abhängen. Wir gehen darauf näher im Kapitel zum Wohnungsbau ein. Im Gegensatz zur Flüchtlingsbewegung des Jahres 2015 wollen die ukrainischen Flüchtlinge nach Ende des kriegerischen Konfliktes so schnell wie möglich in ihre Heimat zurück. Angesichts der Zerstörungen wird die Rückkehr jedoch auch nach Beendigung des Krieges länger dauern oder sich im Falle einer russischen Besetzung auf unabsehbare Zeit verschieben. Dank der sehr guten Integrationsmöglichkeiten in den Arbeitsmarkt wird sich ein zusätzlicher Druck auf den normalen Wohnungsmarkt ergeben, da auf die Integration in den Arbeitsmarkt die Integration in den normalen Wohnungsmarkt folgt.

Getreide als Kriegswaffe

Indem Russland den Export von Weizen bis zum Sommer ausgesetzt hat, beabsichtigt es Hungersnöte in Afrika auszulösen und damit neue Flüchtlingswellen über das Mittelmeer nach Europa auszulösen.

Kriegskosten

Selbst wenn der Krieg schnell zu Ende ginge, wird es Jahre dauern, bis sich die Volkswirtschaften Russlands und der Ukraine erholt hätten. Je länger der Krieg dauert, desto größer ist die Gefahr von negativen Wechselwirkungen für die Weltwirtschaft. Die Ukrainer können in der Folge mit starker Unterstützung für den Wiederaufbau rechnen, aber auch das wird Kaufkraft in den Förderländern kosten. Die EU hatte schon lange vor dem Konflikt mit der Ukraine Verhandlungen aufgenommen, um von Energie- und Rohstoffimporten unabhängiger zu werden. Russlands Wirtschaft dürfte es deutlich schwerer haben, sofern kein grundlegender, stabiler politischer Wandel erfolgt.

Folgen für Dritte

Die bereits vorhandenen Belastungen der Lieferketten und der Rohstoffversorgung werden sich noch verschärfen und der Inflationsdruck wird steigen. Während sich die Belastungen für die USA in Grenzen halten, wird Europa in die Stagnation abrutschen. Rohstoffreiche Länder können durch Mehreinnahmen die Verluste gegebenenfalls ausgleichen, rohstoffarme und hochverschuldete Entwicklungsländer werden noch deutlich stärker unter Druck geraten als sie es ohnehin schon sind. Hinzu kommen belastende Nebenwirkungen, die im Folgenden näher ausgeführt werden.

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