Anmelden

Passwort vergessen

Bitte geben Sie hier Ihre E-Mail-Adresse ein. Ihnen wird ein neues Passwort zugesandt.

   

Marktbericht September 2019

Für nicht angemeldete Nutzer steht als Leseprobe ein Teil des ersten Kapitels zur Verfügung. Sollten Sie Interesse an unseren kompletten Marktberichten haben, kontaktieren Sie uns bitte unter marktforschung@heinze.de.

Allgemeine Wirtschaftsentwicklung

Internationale Konjunktur

Nahe der Finanzkrise

Nach der jüngsten Einschätzung des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel (IfW) wird die Weltproduktion im Jahr 2019 nach 3,7% im vergangenen Jahr nur noch um +3,1% zunehmen. Der Welthan­del ist zu Beginn des Jahres sogar tendenziell zurückgegangen. Für das Jahr 2020 erwartet man nur eine Zunahme des Welt­handels um +0,8%. Für das Jahr 2021 ist man mit +2,5% opti­mistischer. Auch das Wachstum der Weltwirtschaft soll von +3,2% im Jahr 2020 auf +3,4% im Jahr 2021 ansteigen.

Nach Ansicht der OECD wird das globale Wachstum im Jahr 2019 so schwach ausfallen wie seit der Finanzkrise vor zehn Jahren nicht mehr. Insofern ist man für das laufende Jahr 2019 sogar noch etwas pessimistischer (+2,9%) als das IfW. Für das Jahr 2020 erwartet man lediglich +3,0%. Damit ist die OECD deutlich pessimistischer als die deutschen Wirtschaftsfor­schungsinstitute. Der Austausch von Gütern und Dienstleistun­gen stagnierte bereits Ende 2018 und schrumpfte zu Beginn des Jahres 2019.

Weltweite Muster

Die OECD senkte für fast alle G20-Länder die Wachstumsprog­nose. Nur für Japan, die Türkei und Frankreich verschlechterten sich die Aussichten nicht. Auch in den USA wird sich das Wachstum von 2,4% in diesem und 2,0% im nächsten Jahr ver­langsamen. Der Abschwung vollzieht sich weltweit vor allem in der Industrie. Weil der Industrieabschwung voraussichtlich län­ger anhält, rechnet die OECD auch mit einer schwächeren Nachfrage nach Arbeitskräften und mit einem Ende des Wachs­tums in der Dienstleistungsbranche. Als Gegenmaßnahme empfiehlt die OECD vor allem Handelshemmnisse abzubauen und in die Infrastruktur zu investieren.

Prognose

Wir stellen in diesem Bericht die Prognose des IfW dar, weil sie einerseits bereits bis zum Jahr 2021 reicht und andererseits eine Kontinuität über alle Tabellen hinweg erreicht werden kann.

Zum konjunkturellen Überblick

Das weltwirtschaftliche Wachstum und der Welthandel schwä­chen sich 2019 zunächst ab. Die Wirtschaftsinstitute erwarten für 2020 wieder eine moderate Belebung. Die Anmerkungen zur jüngsten Prognose der OECD zeigen jedoch, dass dies noch nicht gesichert ist.

Die Geldpolitik wirkt weitgehend unterstützend und könnte gezwungen sein, die Zinsen weiter in den negativen Bereich zu treiben. Jean Claude Trichet: "Lässt man die EZB allein, folgt die Krise." Angesichts der konjunkturellen Abkühlung sollten die Rohstoffpreise eigentlich sinken. Infolge des Anschlags auf die Ölraffinerie in Saudi-Arabien wird die Weltwirtschaft durch den steigenden Ölpreis auf eine zusätzliche Probe gestellt. Die Wechselkursrelationen sind weitgehend stabil, doch in der wachsenden Not können auch die Wechselkurse wieder stärker als Waffe eingesetzt werden.

Deutschland befindet sich zurzeit vor allem in einer Investitions­rezession. Angesichts der wachsenden Unsicherheiten könnte diese auch länger anhalten. Das wird sich auf den Arbeitsmarkt stärker auswirken als derzeit angenommen und könnte somit auch den Verbrauch zunehmend schwächen.

Die Baukonjunktur wird durch die konjunkturelle Abkühlung vor allem im Nichtwohnbau beeinträchtigt. Der Wohnungsbau steht im Spannungsfeld sich eintrübender Aussichten und zunehmend attraktiver werdender Finanzierungsbedingungen.

Schock für die Weltwirtschaft

Der Angriff auf die saudischen Raffinerien hat zu einem Ausfall von Produktionskapazitäten geführt, wie er noch nie in den Auf­zeichnungen der Internationalen Energieagentur vorgekommen ist. Der Ölpreis sprang von rund 60 Dollar je Barrel ($/b) kurzfris­tig auf knapp 72 $/b. Danach hatte er sich wieder etwas abge­kühlt. Das Ereignis wird jedoch in zweierlei Hinsicht nachwirken. Die ohnehin vorhandenen großen Unsicherheiten für Investitio­nen nehmen dadurch noch einmal deutlich zu. Zum anderen rechnen Experten mit einem langfristig höheren Ölpreis, da die globalen Lieferketten für Rohöl große Probleme bekommen werden. Die US Bank Goldmann Sachs hob ihre Ölpreisprogno­se auf 75 $/b an, sollte die betroffene Anlage mehr als sechs Wochen ausfallen. Auch andere erwarten einen Ölpreis deutlich über 70 $ je Fass. Der Anschlag hat die Anfälligkeit der Ölver­sorgung ins Bewusstsein gerufen und führt damit zu einem Risi­koaufschlag. Experten rechnen jedoch nicht mit einer Versor­gungskrise, weil der Ölmarkt global gut versorgt ist.

In den HWWI-Rohstoffpreisindex sind diese Ereignisse noch nicht eingeflossen, sodass die abwärts gerichtete Tendenz der Rohstoffpreise zumindest für Energiepreise in Preisanstiege umschlagen wird.

USA: Rückschläge nach Strohfeuer

Die Produktion in den USA verlangsamt sich. Handelspolitik hat immer zwei Seiten. So trifft sie auch die Exporte der USA. Im Verarbeitenden Gewerbe ist der Anstieg der Zahl der Beschäf­tigten zum Erliegen gekommen. Die Zölle auf Auslandswaren führten zu höheren Preisen im Inland. Dies führt vorerst noch zu einer zurückhaltenden Geldpolitik der FED. Aber da auch die Anreize der Steuerreform auslaufen, wird auch sie zunehmend in die Pflicht genommen werden, die wirtschaftliche Entwicklung durch geldpolitische Lockerung zu unterstützen. Das IfW rechnet in den kommenden Quartalen damit, dass sich die Konjunktur in den USA weiter abschwächen wird. So rechnet man in den Jah­ren 2020 und 2021 nur noch mit einer Wachstumsrate von +1,5% bzw. +1,7%.

Schwellenländer

Ein lebendiger Aufschwung in den Schwellenländern könnte die schwache Konjunktur in den Industrieländern stützen. Die wirt­schaftliche Expansion ist jedoch auch in den Schwellenländern ins Stocken geraten. Sie wachsen zwar immer noch deutlich stärker als die Industrieländer, aber sie sind nicht stark genug, um derzeitige Schwächen der Weltwirtschaft auszugleichen.

Lateinamerika: Mexiko

Mexiko ist die zweitgrößte Volkswirtschaft Lateinamerikas und seine wirtschaftliche Entwicklung hat somit weitreichende Fol­gen. Hauptproblem des Landes ist die Schuldenlast des staatli­chen Ölkonzerns (Pemex). Die Verbindlichkeiten belaufen sich auf 107 Milliarden Dollar. Der Konzern ist praktisch bankrott. Dies ist eine Folge der Vorgängerregierungen, aber die unvor­hersehbare Politik der aktuellen Linksregierung trägt nicht dazu bei, das Wachstum zu fördern. Die Abhängigkeit vom Nachbarn im Norden und das neue ausgehandelte Handelsabkommen belasten die Entwicklung ebenfalls. Künftig müssen 75% eines Autos im nordamerikanischen Raum hergestellt werden, damit es zollfrei gehandelt werden darf. Bisher waren es 63%. Außer­dem gilt ein Mindestlohn für 40-45% des Fahrzeugwertes in Hö­he von 16 $. Im Schnitt verdient ein mexikanischer Arbeiter der­zeit knapp 15 $. Viele Firmen tun sich schwer mit einer Ände­rung, da die USA naheliegt und die dortigen Standards sehr einheitlich sind. Ein weiteres Problem der mexikanischen Wirt­schaft ist die Kriminalität. Vor allem Überfälle auf unbewachte Transporter verursachen erhebliche Schäden in den Lieferket­ten.

Argentinen

Argentiniens Präsident Macri wollte sein Land wieder zur alten Blüte verhelfen. Seine Vorgänger hatten öffentliche Kassen ge­plündert, Investoren vergrault und damit das Land vor die Wand gefahren. Macri einigte sich mit den Gläubigern, öffnete das Land für Importe und Investoren und strich Subventionen. Das hohe Haushaltsdefizit nahm er weiterhin in Kauf und hoffte, dass ausländische Kreditgeber die Lücke füllen würden. Dann sanken die Preise für Agrarrohstoffe auf dem Weltmarkt und es folgte eine Jahrhundertdürre. Der Peso begann zu schwächeln und das Land konnte die in Dollar notierten Schulden nicht mehr zurückzahlen. Zu Macris Politik gibt es eigentlich keine Alternati­ve. Es ist jedoch zu befürchten, dass bei den Neuwahlen im Oktober die Vertreter der Vorgängerregierung wieder an die Macht kommen.

China: zu glatter Konjunkturverlauf

Die hohen und stabilen Wachstumsraten Chinas führen zu Miss­trauen. Seit einem Zwischenhoch von +10,6% im Jahr 2010 geht es stetig abwärts auf zuletzt 6,6% im Jahr 2018. Eine Abwärts­entwicklung ist in einer sich entwickelnden Volkswirtschaft auch ganz normal, da das Basisniveau ständig größer wird und somit prozentuale Zuwächse schwieriger zu erreichen sind. Verdächtig ist hingegen, dass der Konjunkturverlauf immer relativ nahe bei den Vorgaben der Zentralregierung liegt. Experten halten es für höchst unwahrscheinlich, dass sich ein Riesenreich wie China so exakt steuern lässt. Für die Datensammlung sind die lokalen Büros der Nationalen Statistikämter zuständig. Diese unterste­hen den Regionalregierungen, die wiederum gehalten sind, die Vorgaben der Zentralregierung zu erfüllen. Das zentrale Statis­tikbüro hat jedoch Zugang zu den Rohdaten und korrigiert die regionalen Wachstumsangaben regelmäßig nach unten. Das Ergebnis ist, dass die Wachstumszahlen in der Größenordnung die Entwicklung korrekt wiedergeben, Schwankungen aber ver­mutlich "geglättet" werden.

Japan: robuste Binnenkonjunktur

Japans Wirtschaft wächst im II. Quartal 2019 mit +0,3%. Bereits im Vorquartal war das Bruttoinlandsprodukt kräftig ge­stiegen. Vor allem der private Verbrauch zog spürbar an und auch die Staatsausgaben legten kräftig zu. Die Exporte stagnier­ten weit­gehend. Die Industrieproduktion konnte zwar noch ein­mal leicht ansteigen, jedoch wird auch Japan sich dem weltwei­ten Trend der Abschwächung industrieller Produktion nicht mehr lange entziehen können. Für das laufende Jahr geht das IfW von ei­nem Zuwachs in Höhe von +1,1% aus. Dieser wird sich auf­grund der negativen internationalen Einflüsse 2020 auf +0,7% abschwächen. Für das Jahr 2021 erwartet man eine Sta­bilisierung der Entwicklung, die aufgrund des niedrigen Vorjah­resniveaus bei +1,3% liegen wird.

Boom in Europas Osten

Die mittel- und osteuropäischen EU-Staaten scheinen sich von der Wachstumsschwäche in Westeuropa abzukoppeln. Im Jahr 2019 wachsen sie voraussichtlich insgesamt mit +3,7%. Länder wie Rumänien, Ungarn, Litauen und Polen erreichen Zuwachs­raten von vier Prozentpunkten und mehr. Die Zuwachsraten schwächen sich etwas ab, doch liegen sie 2020 mit +2,6% und 2021 mit +3,0% noch deutlich über den Wachstumsraten west­europäischer Länder. Wachstumstreiber im Osten sind vor allem die stark gestiegenen Löhne. Sie treiben die Binnennachfrage und wirken sich relativ wenig auf die Wettbewerbsfähigkeit aus, weil auch die Produktivität steigt. Die Investitionen legen weiter kräftig zu. Sehr positiv wirken sich auch die 365 Milliarden Euro aus, die die osteuropäischen Neumitglieder von 2004-2020 aus Brüssels Struktur- und Kohäsionsfonds bekommen haben. Jähr­lich macht dies immerhin 2,6% ihres jeweiligen BIP aus. Wenn man bedenkt, dass die Hälfte des polnischen BIP-Wachstums das Resultat der EU Mitgliedschaft und der Fördermittel ist, wundert man sich über die antieuropäische Rhetorik dieser Län­der. Das Bruttoinlandsprodukt ist inzwischen auf 84% des EU Durchschnitts angestiegen. Die Angleichung geht vielen noch zu langsam, sodass die Abwanderung von Fachkräften ein ernst­haftes Problem darstellt. Für Westeuropa ist die starke Wirt­schaft in den osteuropäischen Ländern jedoch derzeit eine Stüt­ze.

Euroraum

Die wirtschaftliche Entwicklung im Euroraum ist robust und ver­läuft deutlich expansiver als in Deutschland. Jedoch hat sich auch im Euroraum die Grundtendenz seit Anfang 2018 abge­schwächt.

Ländermeldungen: gespaltener Süden

Die Wirtschaft Frankreichs steht derzeit erstaunlich gut da und wächst mit jeweils +1,4% in den folgenden Jahren sehr stabil. Auch international ist Frankreich wieder attraktiver geworden. Ausländische Investoren zog es 2018 stärker nach Frankreich als in die Bundesrepublik. Der Konflikt mit den Gelbwesten ist ausgestanden und die positiven wirtschaftlichen Daten, vor al­lem die höhere Kaufkraft der Franzosen und die sinkende Arbeitslosigkeit bestätigen die Politik des Präsidenten, die das Land durch Strukturreformen vorangebracht hat.

Der Brexit hinterlässt bereits deutliche Spuren. Im II. Quartal 2019 schrumpfte das BIP des Königreichs im Vergleich zum Vorquartal um -0,2%. Bei einem ungeordneten Brexit erwartet man auch einen Druck auf die Immobilienpreise. Das Ausmaß ist hingegen umstritten. Im Schnitt könnten die Gebäudepreise um -6% fallen, aber auch ein Rutsch zwischen -10% und -20% wird nicht ausgeschlossen. Betroffen wären vor allem London und Nordirland. Die Investitionen sind bereits um -11% gesun­ken, weil das Vertrauen durch die langanhaltende Rechtsunsi­cherheit gelitten hat. Darüber hinaus wirkt sich die Scheidungs­tragödie auf die Produktivität aus. Die Firmen beschäftigen sich nicht in dem bisherigen Umfang mit ihrem Kerngeschäft, son­dern müs­sen sich um die Planung für den Brexit kümmern.

Italiens neue Regierung erwartet für 2019 nur noch einen An­stieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um +0,1% und für 2020 um +0,4%.

Der neue Premierminister möchte das Wachstumstempo Griechenlands mehr als verdoppeln. Das Ziel sei weniger Staat, weniger Steuern und mehr Investitionen. Die Körperschaftssteu­er soll von derzeit 28% schrittweise bis 2021 auf 20% gesenkt werden. Diese und andere Maßnahmen will Mitsotakis zum Teil durch die wachstumsfördernde Wirkung der Maßnahmen selbst refinanzieren, zum Teil aber auch durch Einsparungen bei den Ausgaben. Strukturreformen, die eine Verbesserung des Rechtsrahmens sowie der Qualität staatlicher Institutionen zur Folge haben, sollen die Maßnahmen flankieren. Probleme des Landes sind immer noch die Banken. Knapp die Hälfte der For­derungen griechischer Banken sind notleidend oder vom Ausfall gefährdet. Für 2019 wird ein Wachstum in Höhe von +1,9% er­wartet und in den Folgejahren von gut zwei Prozent. Die Exper­ten sind somit skeptisch, dass es gelingen kann, die Wachs­tumsrate auf vier Prozent anzuheben. Die Regierung hingegen führt ihren Optimismus auch darauf zurück, dass Griechenland in den Krisenjahren seit 2018 ein Viertel seines Bruttoinlands­produkts verloren hat und somit Zuwächse leichter zu erzielen sein.

Zinsen: tiefer und tiefer

Die Konditionen für private, zehnjährige Hypothekenkredite lie­gen aktuell bei 0,24%. Fremdkapital könnte noch günstiger wer­den, sodass die Nominalzinsen ins Minus rutschen. Dies ist in der Schweiz und Dänemark bereits der Fall. Gewerbliche Anle­ger zahlen zurzeit +1,7% auf das Fremdkapital.

Da die Rezession gerade erst begonnen hat, werden die Zinsen weiter nach unten gehen. Experten rechnen bei zehnjährigen Bundesanleihen mit -0,7% bis -1,0% in diesem Jahr. In zwei bis drei Jahren könnte sich der Rückgang weiter auf -1,5% bis -2,0% verstärken.

Die Frage ist, inwieweit die Banken negative Zinsen weitergeben werden. Man erwartet zumindest einzelne Angebote, um die Wettbewerbsposition zu verbessern. Negative Zinsen stellen die Banken auch vor ein organisatorisches Problem. Die IT ist nicht darauf eingestellt, dass Banken ihren Kreditnehmern bei Minus­zinsen jeden Monat Geld überweisen. Solange potenti­elle Kreditnehmer ein weiteres Abrutschen der Zinsen erwarten, werden sie eher kurzfristig finanzieren.

Geldschwemme durch Sparer

Was steckt hinter dieser verkehrten Welt? Eine älter werdende Bevölkerung und eine sich stetig verlängernde Lebenserwartung führen dazu, dass immer mehr Menschen Geld auf die hohe Kante legen. Außerdem nimmt der Anteil junger Menschen, die sich in Hinsicht auf ihre Zukunft verschulden, ab. Zudem sinken in einer alternden Bevölkerung die Risikobereitschaft und mithin die Investitionsbereitschaft. Mit der Digitalisierung sinkt auch der Investitionsbedarf, denn die Anschaffung von Computern, die zudem ständig im Preis sinken, ist nicht vergleichbar mit einem Hochofen oder einer Produktionsanlage.

Wie geht es weiter

In jedem Fall mit niedrigen Zinsen. So gut wie alle Experten er­warten für die nächste Dekade niedrige Zinsen. Die letzten Be­schlüsse der EZB mag man für überzogen halten. An der grund­sätzlichen Tendenz ändern sie nichts. Lagarde hat angekündigt, dass sie die Politik ihres Vorgängers voll und ganz unterstützt und fortsetzen wird. Aber wie soll man dem Sparer weiter in die Tasche greifen, wenn die Kosten für das Halten von Bargeld im Banktresor etwa bei -0,2% Zinsen liegen?

Vorerst aber dürfte der Geldhahn über weitere Ankäufe von Staatsanleihen und gegebenenfalls auch anderen Wertpapieren geöffnet werden. Lagarde plant in diesem Fall vor allem klima­freundliche Finanzprodukte zu kaufen.

Bargeldlos in die Tasche fassen

Was für Taschendiebe ein Problem ist, ist für Staaten das Eldorado. Mit der Abschaffung des Fünfhundert-Euro-Scheins haben sich die Kosten der Bargeldhaltung auf etwa das Zwei­einhalbfache gesteigert. Das ermöglicht theoretisch Strafzinsen von 0,5 Prozent bis 0,75 Prozent.

Wie kommt man noch weiter runter? Indem man das Bargeld abschafft. Das wird bereits ernsthaft diskutiert. Schweden wird 2023 bargeldlos sein. Hohes Staatsvertrauen und Technikaffini­tät machen es möglich. In Deutschland ist das Staatsvertrauen- aus bekannten Gründen - nicht ganz so groß, deshalb wird es möglicherweise eines der letzten Bargeldbastionen sein.

Ein Service der Heinze GmbH

© baudatenonline.de 2019 - Marktbericht

5098817