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Marktbericht Oktober 2018

Für nicht angemeldete Nutzer steht als Leseprobe ein Teil des ersten Kapitels zur Verfügung. Sollten Sie Interesse an unseren kompletten Marktberichten haben, kontaktieren Sie uns bitte unter marktforschung@heinze.de.

Allgemeine Wirtschaftsentwicklung

Internationale Konjunktur

Dynamik verliert 2019 an Schwung

Für das Jahr 2018 geht man weiterhin von einem Aufschwung der Weltwirtschaft in Höhe von +3,8% aus. Für das Jahr 2019 haben sich die Voraussagen jedoch von +3,8% auf +3,5% zu­rückgebildet. Im Jahr 2020 rechnet man mit einem Zuwachs in ähnlicher Größenordnung (+3,4%). Trotz der Verlangsamung des Wachstums wird in den meisten fortgeschrittenen Volkswirt­schaften mit einer hohen Kapazitätsauslastung gerechnet. Der Preisanstieg wird nicht nur aufgrund des hohen Ölpreises fort­schreiten, sondern auch weil die Kerninflation allmählich anzieht.

Differenzierung der Weltkonjunktur

Die Unterschiede in der Entwicklung der Weltkonjunktur werden größer. Schuldenbasierte Steuersen­kungen in der Hochkonjunk­tur dürften in den USA das Wachs­tum in 2018 bei +2,8% und 2019 bei +2,4% halten. Für die Eurozone geht der IfW unverän­dert von +2,1% Wachstum im Jahr 2018 und +1,9% im Jahr 2019 aus. Im Jahr 2020 wird sich die Dynamik jedoch weiter auf +1,7% abschwächen. Die asiati­schen Schwellenländer werden ihr Wachstum mit +6,5% stabil halten. Für China erwartet man einen deutlicheren Rückgang von +6,6% in 2018 auf +6,1% in 2019 und +5,8% im Jahr 2020. In den europäischen Beitrittslän­dern wird das Wachstum von +3,8% in 2018 weiter auf +3,0% in 2019 und +2,9% in 2020 sin­ken. Lateinamerika kommt nur lang­sam aus der Krise. Das Wachstum wird von +1,2% in 2018 auf +1,6% in 2019 und wei­ter auf +2,3% in 2020 steigen. Die ölex­portierenden Länder im mittleren Osten und Nordafrika profitie­ren vom Ölpreis. Ihr Wachstum wird sich von +3,5% in 2018 auf +3,7% in 2019 erhöhen. Auch für die Subsahara Region erwar­tet der IWF eine prosperierende Entwicklung von +3,4% in 2018 und +3,7% 2019.

Zum Konjunkturbarometer: nominale Impulse lassen nach, Realwirtschaft bleibt robust

Inzwischen geben die Institute einen ersten Ausblick auf das Jahr 2020. Insgesamt kann man sagen, dass die weltwirtschaft­lichen Rahmendaten in 2019 und 2020 immer weniger Rücken­wind geben. Sowohl in nominaler Hinsicht als auch in realwirt­schaftlicher Hinsicht laufen die positiven Impulse aus. Sofern keine der schwelenden Krisen ausbricht, erwartet man jedoch auch keine negativen Einflüsse.

In nominaler Hinsicht lassen auch die weltwirtschaftlichen Ein­flüsse etwas nach. Es wird erwartet, dass die Preise weiter stei­gen und mit ihnen auch die Zinsen wieder moderat anziehen. Das belastet die reale Kaufkraft der Konsumenten und die Finanzierungskosten von Investitionen. Realwirtschaftlich bleibt die Binnenkonjunktur vorerst noch von stabilen Wachstumsim­pulsen geprägt.

Die nominalen Rahmenbedingungen für die Bauwirtschaft ver­ändern sich nur durch leicht anziehende Zinsen im Jahr 2020. Realwirtschaftlich wird der Wohnungsbau starke Impulse von den beschlossenen Fördermaßnahmen erhalten. Im Wirt­schaftsbau ist jedoch ein Nachlassen der Dynamik auf hohem Niveau zu erwarten. Der öffentliche Bau könnte hingegen zu­sätzliche Impulse aufgrund der Kassenlage und der vorhande­nen Bedarfssituation erhalten. Dabei wird davon ausgegangen dass auch die Regierungsarbeit wieder in einem normalen Um­feld stattfinden kann.

Preise für Industrierohstoffe geben nach, Rohöl unter politischem Einfluss

Die nachlassende weltwirtschaftliche Dynamik hat sich auch dämpfend auf die Entwicklung der Rohstoffpreise ausgewirkt. Die inländischen Verbraucherpreise werden durch das höhere Preisniveau gegenüber dem Vorjahr vom Ölpreis über die Kern­rate der Inflation (+1,2%) deutlich angehoben. Zwar stellt sich die Nachfrageseite derzeit entspannt da, doch die Begrenzung der Ölförderung durch die OPEC hat das Ölangebot verknappt. Zudem bleibt ein beachtlicher spekulativer Einfluss an der Preisbildung erhalten, da die US Sanktionen gegen iranisches Öl das Angebot im Herbst weiter verknappen werden.

USA

Die Konjunktur in den USA befindet sich derzeit auf dem Höhe­punkt. Das Bruttoinlandsprodukt stieg im 2. Quartal 2018 um gut einen Prozent über das Wachstum der Vorperiode. Die Arbeits­losigkeit sank im Juli auf 3,9%. Die Verbraucherpreise lagen im Juli um +0,9% höher als ein Jahr zuvor. Das IfW erwartet, dass die Leitzinsen im laufenden und im kommenden Jahr um jeweils 50 Basispunkte erhöht werden und somit Ende 2020 bei einer Rate von 2,75% liegen dürften. Auch rechnet man in den kom­menden Jahren mit einer nachlassenden Dynamik der gesamt­wirtschaftlichen Expansion. Die Zuwachsrate wird 2019 noch bei +2,4% liegen und 2020 auf +1,9% weiter zurückfallen. Damit wird sich auch die Inflationsrate von 2,5% in 2018 wieder auf gut zwei Prozent in den Folgejahren zurückbilden. Das Defizit im laufenden Haushaltsjahr wird 800 Milliarden $ oder 3,9% der jährlichen Wirtschaftsleistung betragen. Bis 2020 soll sich das Loch in der Kasse auf mehr als eine Billion Dollar vergrößern. Dies entspräche 4,6% der Wirtschaftsleistung. Trump will es weiter krachen lassen und stellte ein Wirtschaftswachstum von acht oder neun Prozent in Aussicht. Die meisten Ökonomen fürchten vielmehr, dass nach dem Feuerwerk für den Flächen­brand keine Löschinstrumente mehr zur Verfügung stehen. Die Zollpolitik verteuert den Preis der US-Exporte und macht sie weniger konkurrenzfähig. Sollte das den Dollar-Kurs belasten, wird es die Inflation weiter in die Höhe treiben und die FED müsste die Zinssätze so weit anheben, so dass Investitionen und Wachstum deutlich zurückgingen.

Kollateralschäden der US-Politik

Die Politik Donald Trumps führt zu erheblichen Kollateralschä­den in Ländern wie Indien, Brasilien oder Indonesien. Fast alle Länder stehen unter Druck, da die Steuervergünstigungen in der Hochkonjunktur zur weiteren Inflationsrisiken und damit zu ei­nem Anstieg der Zinsen führen. Das Kapital aus den Schwellenländern fließt deutlich schneller in die USA als ursprünglich er­wartet. Obwohl die meisten Schwellenländer heute viel stabiler aufgestellt sind als noch vor fünf Jahren, belastet dies ihre Ent­wicklung erheblich. Hinzu kommen die hektischen Twitter-Nachrichten, die in der Welt für Unsicherheit sorgen und damit Risikoaufschläge für schwächer aufgestellte Länder erhöhen. Vor allem kleinere Länder werden entweder mit Kapital überflu­tet oder sie werden ausgetrocknet. Letztlich aber senkt das auch die Dynamik der Weltwirtschaft ab und schlägt damit auf die USA zurück.

Die fragilen Fünf

Der Ausverkauf der Währungen der Schwellenländer betrifft derzeit bereits die Türkei, Argentinien, Brasilien, Indien und Indonesien. Der Peso stürzte um 45% ab, die türkische Lira um 40% und die indische Rupien um 8%. Auch der südafrikanische Rand büßte Anfang September 20% seines Wertes ein. Rutscht die Türkei weiter in die Krise, könnte dies zu erheblichen Abschreibungen von Direktinvestitionen führen. Davon sind vor allem Banken in Spanien und Italien betroffen und deren ohne­hin fragile finanzielle Stabilität könnte weiter beeinträchtigt wer­den. Aufgrund seiner ökonomischen Bedeutung fürchten die meisten Ökonomen jedoch den Fall, dass China von der Krise erfasst wird. Noch nie habe ein Schwellenland den Aufstieg zur Industrienation ohne mindestens eine große Finanzkrise ge­schafft.

Lateinamerika

Für Argentinien ist eine Krise des Finanzsektors fast schon Normalität. Staatspräsident Mauricio Macri war 2015 angetreten, um das heruntergewirtschaftete Land zu sanieren und hat zahl­reiche Reformen angeschoben. Da er seine Landsleute nicht überfordern wollte, wurde die Haushaltsproblematik zu lange vernachlässigt. Es war somit anfällig für die aktuellen Finanz­marktturbulenzen. Die Inflation werde bis Ende 2018 auf 42% steigen und die Wirtschaft in 2019 insgesamt um -2,0% schrumpfen. Die notwendigen Sparmaßnahmen gefährden die politische Stabilität und die Wachstumsaussichten des Konti­nents. Die Instabilität des Nachbarn Brasilien verstärkt die Prob­lematik für beide Länder. Mit der Wahl Obradors hat Mexiko als zweitgrößtes Land Südamerikas gerade einen Linksruck vollzo­gen. Der ehemalige Bürgermeister von Mexiko-Stadt hat sich als Pragmatiker erwiesen. Die deutsche Wirtschaft setzt weiter auf Mexiko, auch weil die Wirtschaft international vernetzt ist und robust wächst. Insgesamt wird der von stabiler Instabilität ge­kennzeichnete Kontinent 2018 mit +1,2% deutlich langsamer wachsen als zunächst erwartet. In den kommenden beiden Jah­ren wird ein moderater Produktionsanstieg erwartet. Sollte er überhaupt eintreten, ist die Wachstumsrate von +1,6% in 2019 und +2,3% in 2020 nach wie vor viel zu niedrig, um die Proble­me der Schwellenländer zu lösen.

Indien: Wachstum mit geringer Außenwirkung

Die indische Wirtschaft wird im Jahr 2018 um +7,7% wachsen. Die hohe Dynamik in 2018 ist auch auf die niedrigen Raten im Vorjahr, infolge der Einführung der Mehrwertsteuer, zurückzu­führen. Sie bildet sich in den kommenden Jahren sukzessive auf +7,5% und +7,0% bis 2020 zurück. Die überbordende Bürokratie und die veraltete Infrastruktur hemmen die Entfaltung der Unter­nehmen und nähren Zweifel daran, dass Indien zum neuen Wachstumstreiber der Weltwirtschaft werden könnte. Indiens Anteil an der Weltwirtschaft beträgt 7,4%, während China mit 18,2% eine deutlich größere Bedeutung hat.

China: Schuldenberg und Strukturwandel

Die Rolle des weltwirtschaftlichen Motors hat danach immer noch China inne, doch liegt das erwartete Wachstum im Jahr 2020 erstmals unter der Sechs-Prozent-Linie. Chinas Staats­journalisten bekamen kürzlich eine Mitteilung, mit der sie aufge­fordert wurden über den drohenden Handelskonflikt mit den USA nur das zu berichten, was das Handelsministerium dazu schreibt. Man ist offensichtlich nervös. Chinas Wirtschaft legte im II. Quartal 2018 mit +6,7% langsamer zu als erwartet. Zudem sei der Konsum mit +4,7% in der ersten Jahreshälfte enttäu­schend ausgefallen. Auch die Einzelhandelsumsätze und Anlageinvestitionen gingen auf ein historisches Tief zurück. Die In­dustrieproduktion verlangsamte sich ebenso wie das Kredit­wachstum. Einen Einbruch des Wirtschaftswachstums erwartet man aber auch bei einer Verschärfung des Handelskrieges mit den USA nicht. Die Behörden gehen verstärkt dazu über, die heimischen Risiken der hohen Verschuldung des Privatsektors und die Überhitzung des Immobilienmarktes in den Großstädten einzudämmen. Auch der eingeleitete Strukturwandel zur Stär­kung des Dienstleistungssektors und zur Förderung eines sozial und ökologisch nachhaltigen Wachstumspfades bremst die Ex­pansion. Auch wenn der Handelskrieg mit den USA ein begrenz­tes Risiko darstellt, ist er eines zu viel.

Südostasien: Stabilitätsanker

Die südostasiatischen Länder spüren den schwächer werden­den Rückenwind in ihrem Umfeld, aber ihr Wachstum schwächt sich nur geringfügig ab. In Indonesien, Thailand und Malaysia bleibt die wirtschaftliche Dynamik 2019 und 2020 stabil. In den Philippinen geht sie zwar leicht zurück, aber das Wachstum bleibt eines der höchsten der Region. Man rechnet mit leicht steigenden Finanzierungskosten und ebenso leichten dämpfen­den Effekten auf den Konsum und Investitionsanreiz. Öffentliche Infrastrukturprogramme stützen hingegen die Entwicklung. Die Inflation bleibt mit etwa +3,0% auf dem Niveau der letzten Jahre.

Japan: verhältnismäßig gut

Im II. Quartal 2018 belebte sich die japanische Wirtschaft er­neut. Der private Verbrauch beendete seine Schwächephase und die Unternehmensinvestitionen zogen spürbar an. Die Ex­porte wuchsen langsamer als zu Jahresbeginn. Die Arbeitslo­senquote ist auf 2,5% gesunken und damit auf dem niedrigsten Stand seit 25 Jahren. Löhne und Inflation liegen weiterhin auf niedrigem Niveau. Das Wachstum dürfte im Jahr 2018 bei +0,9%, 2019 bei +1,2% und 2020 bei +1,0% liegen. Damit bleibt es vorerst deutlich hinter der Zuwachsrate des Jahres 2017 (+1,7%) zurück, aber wächst doch auf solidem Niveau im Ver­gleich zu den stagnierenden früheren Jahren. Auch die Inflati­onsrate wird sich wieder zwischen ein und zwei Prozent bewe­gen und kommt damit aus der Gefahrenzone der Deflation.

Mittlerer Osten und Nordafrika

Ölexporteure im Nahen Osten, in Nordafrika, in Afghanistan und in Pakistan profitierten von den verbesserten Aussichten für die Ölpreise, aber die Aussichten für Ölimporteure in der Region bleiben fragil. In einigen Volkswirtschaften besteht nach wie vor ein großer Bedarf an der Haushaltskonsolidierung, und die Ge­fahr einer Verschärfung der geopolitischen Konflikte belastet weiterhin das Wachstum in der Region. Das Wachstum soll von +2,2% im Jahr 2017 auf +3,5% im laufenden Jahr und weiter auf +3,7% in 2019 zulegen und geht 2020 geringfügig zurück. (IWF)

Subsahara-Afrika

Die Erholung in Subsahara-Afrika wird sich fortsetzen. Für die Region wird erwartet, dass das Wachstum von +2,8% im Jahr 2017 auf +3,4% in diesem Jahr und 2019 weiter auf +3,7% steigt. Die aktualisierte Prognose spiegelt verbesserte Aussich­ten für Nige­rias Wirtschaft wider. Das Wachstum soll aufgrund eines ver­besserten Ausblicks für die Ölpreise bis ins Jahr 2019 weiter steigen. Trotz des unerwartet schwachen Ergebnisses im ersten Quartal in Südafrika (teilweise aufgrund vorübergehender Faktoren) wird erwartet, dass sich die Wirtschaft im weiteren Verlauf des Jah­res 2018 und 2019 etwas erholen wird. Mit der neuen Führung greifen allmählich Vertrauensverbesserungen, was die privaten Investitionen stärkt.

Marshallplan für Afrika

Die Bundesregierung arbeitet bereits seit einigen Jahren daran, die deutsche und die afrikanische Wirtschaft stärker zu verzah­nen. Nun wollen sich Entwicklungs-, Wirtschafts- und Finanz­ministerium besser abstimmen. Als erstes wollen sich Tunesien, die Elfenbeinküste und Ghana zum Aufbau von Steuerverwal­tungen und zum Abbau von Korruption verpflichten. Außerdem soll ein besserer Investorenschutz gewährt werden. Deutschland hilft gezielt mit Geld, aber auch mit Finanzbeamten. Entwick­lungsminister Müller setzt sich insbesondere für eine Öffnung des Agrarmarktes für afrikanische Produzenten ein. Dazu gehört auch die EU-Politik zu koordinieren und die Finanzmittel von 4,5 auf 5,5 Milliarden € pro Jahr zu erhöhen.

Türkei

Die türkische Regierung muss ihre Wachstumsprognosen sen­ken. Im Jahr 2017 betrug das Wachstum noch +7,4% und mar­kierte damit einen weltweiten Rekord. Im laufenden Jahr wird es sich bereits auf +4,0% abkühlen und im Jahr 2019 mit +0,8% auf diesem Niveau verharren. Erst für 2020 wird wieder mit einem Zuwachs in Höhe von +4,0% gerechnet. Die Inflation steigt im laufenden Jahr auf +18% und erreicht im Jahr 2019 mit +25% einen Höchststand.

Russland

Die russische Wirtschaft hat durch die Fußballweltmeisterschaft nur geringe Impulse erhalten. Sie verbleibt mit +1,9% in 2018 etwa auf dem Wachstum des Vorjahres. Der höhere Ölpreis vergrößert die finanzpolitischen Spielräume, so dass diese weni­ger restriktiv wirken werden. Belastet wird die Entwicklung von dem allgemeinen Rückzug der Investoren aus Anlagen in Schwellenländern und von den angekündigten Sanktionen durch die USA. Auch die internen Probleme von Korruption bis zu ei­nem alles dominierenden Staatsapparat bremsen die Entwick­lung. In den kommenden Jahren 2019 und 2020 wird das Wachstum eher bei 1,5% liegen.

Osteuropa: es brummt

In den Ländern Mittel- und Osteuropas ist das Wachstum nach wie vor sehr hoch. Die stark zunehmende Beschäftigung führt zu erheblichen Reallohnzuwächsen, sodass der private Konsum stark ausgeweitet wird. Die Arbeitslosenrate sinkt in den Bei­trittsländern von derzeit 5,8% bis 2020 auf 4,9%. In einigen Län­dern stößt das Expansionstempo an Kapazitätsgrenzen. Die Verbraucherpreise steigen 2019 auf +2,4% und 2020 auf +2,8%. Die Nachfrageimpulse aus dem Ausland werden jedoch leicht zurückgehen. Das Bruttoinlandsprodukt der Beitrittsländer wächst 2018 mit +3,8% und fällt in 2019 auf 3,0% und 2020 auf 2,9% leicht zurück. Die veränderte Risikoeinschätzung internati­onaler Finanzinvestoren im Hinblick auf Anlagen in den Schwel­lenländern könnte sich nach Einschätzung des IfW auch in ver­schlechterten Finanzierungsbedingungen der Beitrittsländer nie­derschlagen. Der Zloty gab Anfang des Jahres gegenüber dem Euro moderat nach, aber hat sich in jüngster Zeit wieder erholt.

Euroraum

Das Wachstumstempo hat sich insbesondere in den drei größ­ten Mitgliedsländern Deutschland, Frankreich und Italien verrin­gert. Dies ist zum einen auf länderspezifische Faktoren zurück­zuführen, zum anderen aber auch auf eine Schwächephase des Welthandels im ersten Halbjahr. Die Prognose des Wachstums für den Euroraum für das Jahr 2018 wurde vom IfW von +2,3% auf +2,1% zurückgenommen. Sie wird im Prognosezeitraum weiter leicht zurückgehen, 2019 noch +1,9% betragen und sich 2020 weiter auf +1,7% verringern. Bei diesem Wachstumstempo wird sich die Arbeitslosenquote weiter zurückbilden. Die Arbeitslosenrate sinkt im Euroraum von derzeit 8,3% bis 2020 auf 7,4%.

Ländermeldungen: vom Brexit zum Italix

Nach einer Umfrage würden 59% der Briten derzeit für den Ver­bleib in der EU stimmen. Demgegenüber steht die Verhärtung der Fronten zwischen den Verhandlungsparteien. Das Verhältnis zwischen der EU und Großbritannien war nie so schlecht wie derzeit. Den Vorschlag der Briten, den freien Warenverkehr weitgehend offenzuhalten, aber sich ansonsten aus der EU weitgehend zurückzuziehen, wurde in Salzburg als Rosinen­pickerei eingestuft. Die Absage war eindeutig. Inzwischen sieht auch die IWF Chefin Lagarde "ernsthafte Störungen". Die schie­re Masse an Aufgaben, die bis zum 29. März 2019 noch zu erle­digen wäre, ist kaum zu leisten. Das Wachstum in den kom­menden zwei Jahren wird sich auf etwa ein Prozent zurückbil­den. Ein Aufblühen des britischen Außenhandels - wenn erst einmal selber Freihandelsverträge ausgehandelt sind - erwartet niemand mehr. Jahrzehnte hat es gedauert, die britische Auto­industrie international wettbewerbsfähig zu machen, auch dank der Investitionen aus den Autonationen Deutschland und Japan. Der Chef des britischen Unternehmerverbandes CBI spricht be­reits wieder vom "Aussterben" der Branche. Der Brexiteffekt tritt später ein als erwartet aber er wird zunehmend deutlich. Laut britischer Notenbank hat der Ausstieg schon jetzt jeden briti­schen Haushalt um 900 £ ärmer gemacht. 2.500 deutsche Fir­men mit 400.000 Mitarbeitern sind in Großbritannien vertreten. Obwohl ein harter Wechsel vor allem die britische Wirtschaft treffen würde, werden auch deutsche Unternehmen nach einer Hochrechnung einen Schaden von rund 9 Mrd. Euro hinnehmen müssen.

Während die Briten gerade lernen, dass nicht alles Schlechte von der EU kommt, schieben die Italiener auch die Konsequen­zen für ihr "fröhliches Ausgabeverhalten" der EU-Kommission in die Schuhe. Wenn die Finanzmärkte nicht mehr zahlen wollen, dann gebe es ja noch die Alternative die Staatsanleihen über einen russischen oder chinesischen Staatsfonds zu finanzieren. Italiens Notenbank-Chef warnte vor einem wachsenden Haus­haltsdefizit im kommenden Jahr 2019. Wenn das Defizit steige, aber das strukturelle Wirtschaftswachstum nicht gleichzeitig an­gekurbelt werde, könnten sich die Schulden in eine nicht mehr tragbare Richtung entwickeln und die Risikoprämie für Staatsan­leihen deutlich steigen. Kein Analyst wagt im Moment eine Be­schreibung des Szenarios mit dem Defizit von deutlich mehr als drei Prozent des BIP, denn der EU waren für 2019 0,8% zuge­sagt worden. In diesem Fall könnten sich die Ereignisse überschlagen. Mit einem Rücktritt von Finanzminister Tria als dem gegenwärtigen Garanten einer einigermaßen soliden Haushalts­führung und mit der Abwertung Italiens durch die Ratingagentu­ren, kräftig steigendem Spread (Zinsaufschlag) und einem Liquiditätsproblemen für den Staatshaushalt könnte eine schwe­re Italien-Krise ausbrechen. Doch die Vertreter der Regierungs­parteien reden weiter vom Geldausgeben als hätten sie nie von den pessimistischen Szenarien gehört. Von der EZB ist zu hö­ren, dass sie ihr Anleiheprogramm weiter zurückführen will.

Inverse Zinskurve

In den USA zeichnet sich zunehmend eine inverse Zinskurve ab, d. h. die kurzfristigen Zinsen nähern sich den langfristigen an oder übertreffen sie gar. Ein Blick auf die konjunkturelle Entwick­lung der vergangenen 40 Jahre zeigt, dass einem Abstand der beiden Zinskurven nahe null eine Rezession auf dem Fuße folg­te. Pimco Finanzchef Fels sieht dies als klaren Vorboten der Rezession. Die Notenbank kennt dieses Phänomen auch, aber argumentiert, dass es vor allem eine Folge der eigenen Zinspoli­tik sei. In Europa ist dieses Phänomen noch nicht zu beobach­ten. Die USA laufen den Entwicklungen in Europa drei bis vier Jahre voraus.

Schulden wie nach einem Krieg

Mehrere Faktoren erhöhen die derzeitige Fragilität der Märkte:

Die globalen Rentenmärkte, also das Volumen von Unterneh­mensanleihen, Pfandbriefen und anderen Hypotheken besicher­ten Wertpapieren sowie von Staats- und Bankenanleihen, haben inzwischen ein Niveau erreicht, das in den USA bei dem 2,5-Fachen, in China bei dem 2,3-Fachen und in Japan bei dem 3,6-Fachen des Volkseinkommens liegt. Solche Schuldenstände wurden in der Vergangenheit nur nach langen Kriegen verzeich­net. Es ist fraglich, ob bei einem Abschwung alle Verbindlichkei­ten beglichen werden können.

Hinzu kommen verdeckte Staatsschulden durch teure Sozialsys­teme, dessen Folgekosten ab 2025 die Staatsdefizite in Deutschland erheblich anschwellen lassen werden.

Das Vordringen des Populismus beschädigt zudem die Märkte. Noch machen die Investoren "nur" um Hotspots der Populisten wie Chemnitz einen Bogen. Insgesamt beschädigt jedoch der voranschreitende Populismus die Märkte, indem er nationalisti­schen Handelstheorien anhängt, die zu Wohlstandseinbußen führen. Großbritannien erlebt dies bereits.

Weltweit ist eine galoppierende Hypothekenverschuldung zu erkennen. Sie lag gewöhnlich zwischen zehn und 35% des Volkseinkommens. Seit 1980 ist sie von 30% auf 70% des Volkseinkommens gestiegen. Das billige Geld führt dazu, dass selbst bei fallenden Renditen die Investitionen in Immobilien unverändert steigen.

Auf der einen Seite steht die erhöhte Fragilität, auf der anderen die Grenzen der Geldpolitik. Solange die EZB eine Nullzinspoli­tik betreibt, wird sie im Falle einer Krise kaum geldpolitische Maßnahmen ergreifen können.

Finanzkrise 2.0

Immer häufiger beschäftigen sich Kommentatoren mit der Wahr­scheinlichkeit einer neuen Finanzkrise. Das Handelsblatt fasst dies in sieben Punkten zusammen:

1. Inzwischen müssen die Banken Abwicklungspläne vorlegen, damit ihr Versagen nicht mehr vom Steuerzahler gezahlt wird. Es sind aber noch längst nicht alle Banken soweit vorbereitet und der Testfall steht noch aus.

2. Die Banken mussten zwar Risiken abgeben, aber diese sind zu den Schattenbanken gewandert. Die Größe dieses fast unre­gulierten Sektors hat sich auf 48 Billionen Dollar - dem 15-Fachen des deutschen BIP - nahezu verdoppelt und umfasst damit 13% der weltweiten Vermögenswerte.

3. Von wenigen Ausnahmen abgesehen ist die Schuldendisziplin der Staaten so lasch wie eh und je. Weltweit hat sich die Staats­verschuldung seit der letzten Finanzkrise (2008) verdoppelt. Die Schuldenlast der Unternehmen beträgt laut IWF rund 66 Billio­nen Dollar. Das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands beträgt zum Vergleich 3,3 Billionen Dollar. Die weltweiten Unternehmens­schulden betragen damit das 20-Fache der deutschen Wirt­schaftskraft. Zwei Drittel der Verdopplung der Kredite entfielen auf den Unternehmenssektor. Die Schwellen- und Entwicklungs­länder haben sich zudem überwiegend in Fremdwährung ver­schuldet. Dies macht sie bei Kursverlusten besonders anfällig. Der größte Risikofaktor ist China, wo sich die Schulden der Un­ternehmen mittlerweile auf 163% der jährlichen Wirtschaftsleis­tung des Landes summieren.

4. Immer mehr Anleger investieren in Indexfonds und immer weniger in individuelle Anlagen. Damit verstärkt sich die Gleich­förmigkeit der Kursbewegungen.

5. Mit der zunehmenden Digitalisierung wachsen Gefahren und Größe von Cyberattacken. Die Gefahren können sich verstär­ken, wenn Banken Ziel der Cyberattacken werden.

6. Die politischen Risiken für die Wirtschaft sind weltweit gestie­gen. Die populistischen Bewegungen haben Figuren an die Macht gebracht, denen es an wirtschaftlicher Rationalität völlig fehlt.

7. Der Immobilienmarkt ist durch das billige Geld zunehmend zum Ziel der Anleger geworden. Laut Bundesbank sind Immobi­lien in deutschen Großstädten bis zu 35% überbewertet.

Fazit

Die Weltwirtschaft befindet sich in einem schlechteren Zustand als vor der Finanzkrise und die Risiken sind deutlich gestiegen. Zwar wurden die Instrumente der Krisenbekämpfung weiter ent­wickelt, doch würde der Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) wohl für eine Stabilisierung nicht ausreichen, wenn ein ungeordneter Brexit, eine italienische Staatsfinanzkrise und ein Teil der gewaltigen, weltweiten Schuldenstände nicht mehr be­dient werden könnten. Deutschland erscheint in dem Umfeld noch wie eine stabile Ausnahmeerscheinung. Möglicherweise beschäftigt man sich deshalb in Berlin mit Problemen, die sonst keiner hat und die auch außerhalb des Dorfes an der Spree niemanden interessieren.

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