Marktbericht September 2023
Für nicht angemeldete Nutzer steht als Leseprobe ein Teil des ersten Kapitels zur Verfügung. Sollten Sie Interesse an unseren kompletten Marktberichten haben, kontaktieren Sie uns bitte unter marktforschung@heinze.de.
Allgemeine Wirtschaftsentwicklung
Internationale Konjunktur
Ausblick und aktuelles Wachstum
Im Sommer 2023 gab die Weltbank einen pessimistischen Ausblick auf das kommende Jahrzehnt der globalen Wirtschaft. Verglichen mit den Jahren 2000-2010 müsste man bis 2030 von einer gedrosselten Wachstumsrate von gut zwei Prozent ausgehen.
Nach der Prognose des IWF wird das globale Wachstum aktuell in den Jahren 2023/24 real noch um +3,0 % zulegen. Das IfW geht davon aus, dass die Weltwirtschaft 2023 um +3,0 %, 2024 um +2,8 % und 2025 um +3,2 % wachsen wird.
Da die Institute inzwischen eine Prognose für das Jahr 2025 abgeben, stellen wir diese anstelle der sonst üblichen Grafik dar.

Die Inflation verbreitet sich durch den Handel über den ganzen Globus. Somit sind die internationalen Inflationsraten auch ein Indikator für die Inflation im Binnenland. Weltweit bleibt die Inflation hartnäckig und bildet sich von 2023 (+7,8 %) jeweils nur um einen guten Prozentpunkt bis 2025 auf +5,1 % zurück. Allerdings erkennt man einen deutlichen Unterschied zwischen Schwellenländern und Fortgeschrittenen Ländern. Erstere haben weiterhin mit zweistelligen Inflationsraten zu kämpfen. Letztere bewegen sich bis 2025 weitgehend auf die Zielwerte der Notenbanken zurück.

Rohstoffpreise nähern sich Vorkrisenniveau
"Der HWWI-Rohstoffpreisindex stieg im Juli wieder an (+6,3 %), nachdem seit Jahresbeginn ein fallender Trend zu verzeichnen war. Der Index lag allerdings auch im Juli deutlich (-41,6 %) unter dem Wert von Juli 2022. Maßgeblich getrieben wurde der Anstieg des Gesamtindex durch den Teilindex für Energierohstoffe, der um 7,9 % anstieg. Die beiden anderen Teilindizes hingegen veränderten sich kaum. Der Teilindex für Industrierohstoffe stieg im Juli um 0,4 %, und der Teilindex für Nahrungs- und Genussmittel fiel um 0,2 %." (HWWI)
Nachdem die chinesische Zentralbank überraschend den Zins gesenkt hatte und damit Wirtschaftsschwäche signalisierte, fiel der Preis für ein Barrel Brent bis auf 84 $/b. Inzwischen hat er sich wieder erholt und Experten sehen bis zum Jahresende durchaus einen Preis von 95 $/b. Das liege zum einen an den niedrigen US-Lagerbeständen, zum anderen an der zu erwartenden Ölnachfrage in den Wintermonaten. Dann könnte die Nachfrage das gedrosselte Angebot der OPEC übersteigen.
Preisschwankungen nehmen zu, je weiter man die Wertschöpfungskette zurückgeht. Größte Volatilität weisen Rohstoffe aus. Das durchschnittliche Preisniveau dürfte aber auch in Zukunft höher sein als in den letzten Jahren. Je höher der Kostenanteil der Rohstoffe, desto bedeutender deren Planbarkeit. Die Möglichkeit, sich über eine Diversifikation der Lieferketten abzusichern, können Großunternehmen leichter wahrnehmen als kleine und mittlere Unternehmen. Auch die Kosten der Absicherung verteuern die Rohstoffnutzung.
Zur Konjunkturampel
Das farbliche Bild der Konjunkturampel 2023/24 geht vom rosaroten Bremslicht in 2023 bis 2025 zunehmend in die gelbe Warnstufe über. Das Farbbild entspricht weitgehend der Erwartung einer leicht rezessiven Entwicklung im laufenden und einer moderat prosperierenden Entwicklung im Jahr 2024.
Aufgrund der Prognosen für das Jahr 2025 schließen wir einen ersten Vergleich 2024/25 an. Nicht nur das welt- und binnenwirtschaftliche Umfeld wird sich in 2025 aufhellen, sondern auch das bauwirtschaftliche durch eine Normalisierung der Preise und sinkende Zinsen.


Skeptische Anleger
Großanleger treibt die Befürchtung um, dass die Weltwirtschaft im Jahr 2024 in eine Rezession rutschen könnte. Dabei geht man nicht von einem abrupten Einbruch, sondern von einer allmählichen Abkühlung der Konjunktur aus. Nach Meinung der Anleger würde die Weltwirtschaft spätestens im I. Quartal 2024 schrumpfen. Die Skepsis wird von der Entwicklung in China genährt. Anleger sind auch bezüglich der Konjunktur in den USA skeptischer als Konjunkturexperten. Sorge bereitet auch eine Kreditklemme der Banken, die durch Probleme im Sektor der Gewerbeimmobilien in den USA und Europa ausgelöst werden könnte. Zudem hält ein ganzes Bündel an vorhandenen Krisen (Ukraine, USA-China-Konflikt, Inflation) weiter an.
USA - Inflation eingehegt
Die Verbraucherpreise sind in den USA überraschend stark gesunken. Im Juli stiegen sie nur noch um +3,2 % über die Vorjahreswerte. Das gibt jenen Auftrieb, die davon ausgehen, dass die Leitzinsen in den USA ihren Höhepunkt erreicht haben. Die Kerninflation sank auf +4,7 %.
Die befürchtete Rezession in den USA dürfte ausbleiben. Die Wirtschaft zeigt sich zum Beginn des 2. Halbjahres robust. Der Anstieg des privaten Konsums ist ungebrochen. Der Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor ging zwar etwas zurück, liegt aber immer noch im expansiven Bereich. Die Wohnungsbauinvestitionen sinken weiter, während die Unternehmensinvestitionen robust aufwärtsgerichtet sind. Die Zinspolitik zeigt am Arbeitsmarkt Wirkung, aber mit einem Anstieg der Arbeitslosenquote von +3,5 % auf +3,8 % liegt die Quote im historischen Vergleich sehr niedrig. Der Inflationsdruck geht weiter zurück und so könnte trotz kräftiger Zinsbremse eine sanfte Landung gelingen.
China
Die schwache globale Nachfrage ließ die Exporte in China im Juni um -12,0 % gegenüber dem Vorjahresmonat einbrechen. Besonders stark brach der Handel mit den USA ein. Lediglich der Handel zwischen China und Russland legte deutlich zu. Das Wachstum des BIP lag im I. Quartal 2023 bei +4,5 %. Die Regierung gab den Forderungen nach Konjunkturprogrammen nach, aber nach Einschätzung von Experten sind die Maßnahmen im Umfang zu gering, um dauerhaft etwas zu bewirken.
Die Ursachen der aktuellen Wachstumsschwäche liegen zum einen an mangelnden Strukturreformen und massiven Finanzproblemen auf lokaler Ebene. Auch die Produktivitätsschübe durch Absaugen von Technologie sind deutlich geringer. Viele Länder sind beim Technologietransfer deutlich skeptischer geworden.

Starkes Wachstum Indiens
Mit +7,3 % in 2023 behauptet sich Indien als wachstumsstärkste Volkswirtschaft der Welt. Das zunehmende Interesse der Länder, sich aus ihrer Abhängigkeit von China zu lösen, trägt ganz erheblich zum Wachstum bei. Das macht sich auch in der deutschen Außenhandelsstatistik bemerkbar. Während der Dollar-Wert der Einfuhren aus China im 1. Halbjahr um mehr als -17 % zurückging, stiegen die Importe aus Indien um knapp +4 % an. Die Exporte lagen im gleichen Zeitraum bei +18,0 %. In den beiden folgenden Jahren wird das Bruttoinlandsprodukt Indiens fast in gleicher Größenordnung zulegen. Experten warnen jedoch davor, den Wirtschaftsboom Indiens allein an den Wachstumszahlen abzulesen, da die hohen aktuellen Wachstumsraten noch immer stark den Nachholeffekten der Coronakrise zuzuschreiben sind.
Japan
Die gesamtwirtschaftliche Produktion in Japan legte im 1. Halbjahr 2023 deutlich zu, sodass das Bruttoinlandsprodukt im II. Quartal überraschend heftig um +1,5 % wuchs. Das war vor allem eine Folge stark steigender Exporte und schrumpfender Importe. Die positive Entwicklung der Exporte ist auch eine Folge der niedrigen Zinsen. Der Kapitalabzug führte zu einer Entwertung des Yen und machte japanische Waren damit wettbewerbsfähiger. Nach einem Zuwachs von +2,3 % im laufenden Jahr wird sich das Wachstum 2024 (+1,1 %) und 2025 auf +1,3 % wieder etwas abschwächen. Die Kerninflation ist mit +4,3 % im internationalen Vergleich relativ gering, aber für ein Land, das die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen nahe Null halten möchte, eine große Herausforderung.
Lateinamerikanische Schwellenländer
In Lateinamerika ist in den kommenden beiden Jahren mit geringen Produktionszuwächsen zu rechnen. 2023 werden die lateinamerikanischen Schwellenländer um +1,7 % wachsen. Für das Jahr 2024 geht die Erwartung von +1,1 % aus und bleibt auch 2025 mit +1,9 % auf einem Niveau, bei dem die Probleme von Schwellenländern eher größer als kleiner werden.

Afrika
Die Wachstumsprognose für den afrikanischen Kontinent fällt für 2023 mit +4,3 % hoch aus. Mit einer prognostizierten Wachstumsrate von gut drei Prozent bleibt die Subsahara-Afrika-Region im internationalen Vergleich auch 2024/25 eine Wachstumsregion.

Russland
Das IfW schätzt die Aussichten für Russland als naturgemäß unsicher ein. Die Belastung durch den Krieg wird mehr und mehr im Staatshaushalt und in der Leistungsbilanz sichtbar. Eine nachhaltige wirtschaftliche Expansion erscheint unter diesen Bedingungen kaum vorstellbar. Nach +2,0 % Zuwachs in diesem Jahr liegt die Erwartung für die kommenden beiden Jahre bei einem halben Prozent oberhalb der Nulllinie.
Osteuropa
Nach einem schwachen Wachstum der osteuropäischen Beitrittsländer von +0,5 % im laufenden Jahr scheinen die meisten Länder Osteuropas den ökonomischen Schock des Angriffskrieges auf die Ukraine größtenteils verdaut zu haben. Die Wirtschaftsleistung wird im Jahr 2024 um +2,3 % erneut zulegen und im Jahr 2025 sogar wieder Wachstumsraten erreichen, die dem des Vorkrisenniveaus entsprechen und bei drei Prozent und mehr liegen.

Euro-Länder
Nach einer eher mäßigen Expansion der Wirtschaftsleistung in der ersten Jahreshälfte deuten viele Konjunkturindikatoren des Euroraumes darauf hin, dass sich die Konjunkturaussichten wieder verdunkeln. Die Erwartung für das Jahr 2023 liegt bei +0,6 %. Die Wachstumsraten von +1,4 % in 2024 und +1,7 % in 2025 reichen nicht aus, um die Rückschläge der vorangegangenen Krisen aufzuholen.

Frankreich
Frankreichs Wirtschaft steht aktuell mit einem Wachstum von +0,5 % im II. Quartal sehr gut da. Etwas sorgenvoll sieht man allerdings zum wichtigen Handelspartner Deutschland. Grundsätzlich besteht ein hohes Vertrauen in die deutsche Wirtschaft, doch wird sich die aktuelle Wachstumsschwäche in Deutschland irgendwann auch in Frankreich niederschlagen. Insgesamt beschäftigen rund 30.000 deutsche Unternehmen in Frankreich 352.000 Mitarbeiter. In der Bundesrepublik sind etwa 57.000 französische Firmen mit mehr als 400.000 Mitarbeitern vertreten. Darüber hinaus beeinflussen sich die Länder gegenseitig durch ihre Handelsbeziehungen.
Großbritannien
Im August erhöhte die Bank of England ihren Leitzins auf 5,25 % und damit auf das höchste Niveau seit 15 Jahren. Die Verbraucherpreise stiegen im Juli noch um +7,9 %. Laut IWF soll das Wachstum auf der Insel in diesen Jahren bei +4,9 % liegen. Die Preise von Wohnimmobilien fielen im Juni um -3,8 % im Vergleich zum Vorjahr. Die Zinsbindung ist in der Regel mit fünf Jahren sehr kurz. Viele Immobilienbesitzer müssen im kommenden Jahr ihre Kreditschulden refinanzieren und in der Regel deutlicher höhere Lasten tragen.
Spanien
Die spanische Wirtschaft wuchs im Jahr 2022 um +2,5 %. Nach Auslaufen der Corona-Nachholeffekte liegt die Erwartung nur noch bei knapp zwei Prozent. Neben starken Umsatzzuwächsen im Tourismus hat auch der Export von Gütern und Dienstleistungen zugenommen. Eine schnell eingedämmte Inflation und niedrige Lohnkosten haben die Wettbewerbsfähigkeit verbessert. Die hohe Arbeitslosigkeit ist mit 13,3 % immer noch die höchste in der EU. Probleme des Landes liegen in den niedrigen Ausgaben für Forschung und Entwicklung und dem vergleichsweise niedrigen Ausbildungsniveau. Das Pro-Kopf-Einkommen Spaniens liegt um -17,0 % unter dem Durchschnitt der Eurozone.
Griechenland
Griechenland entwickelt sich zunehmend vom Pleitestaat zum Wachstumsstar der EU. Das Wachstum (2024: +2,4 %) ist doppelt so kräftig wie im Durchschnitt der EU. Die Staatsverschuldung ist von gut 200 % auf nahezu 150 % gesunken. Bis 2026 will die Regierung die Verschuldung auf 135 % zurückführen. Die Kreditwürdigkeit des Landes wurde auf "BB+" angehoben und die Aktienkurse gehen durch die Decke. Dem Tourismusboom trübt der Klimawandel mit vielen Waldbränden und den Überschwemmungen die Stimmung ein.
Internationale Zinsen
Die Notenbankzinsen werden wohl nur noch wenig erhöht. Die Notenbanken in den großen fortgeschrittenen Volkswirtschaften (FED, EZB) haben auf den starken Anstieg der Inflation recht spät, dann aber mit einer historisch sehr steilen Anhebung der Leitzinsen reagiert. Nach Ansicht des IfW kommt es möglicherweise noch zu kleineren Zinsschritten, aber der Höhepunkt der Leitzinsanhebung ist weitgehend erreicht. Für den Verlauf des kommenden Jahres sind dann bei nachlassender Inflation und mäßiger konjunktureller Expansion allmähliche Zinssenkungen wahrscheinlich.
Euro-Kurs
Der Euro stieg im Juli auf 1,118 $/€. Auslöser für die Stärke des Euros waren gedämpfte Zinserwartungen in den USA. Von der EZB erwartet man noch ein bis zwei Zinsschritte und dann eine Ruhepause, während von der FED bald Zinssenkungen erwartet werden. Die Eurostärke ist damit der Dollarschwäche zu danken.
Preisentwicklung
Die Preisentwicklung im Euroraum war im Juli sehr unterschiedlich. Die Daten in Italien und Frankreich meldeten einen Rückgang der Inflation. In Deutschland stieg die Rate. Das wird auf Basiseffekte zurückgeführt (Neun-Euro-Ticket, Tankrabatt), die die Inflation im Vorjahr absenkten. Die Verbraucherpreise steigen im laufenden Jahr im Durchschnitt um +5,6 %. 2024 dürfte sich die Teuerungsrate jedoch mehr als halbieren (+2,6 %). Das IfW erwartet für 2025, dass die Inflationsrate mit 2,2 % wieder beim Inflationsziel der Europäischen Zentralbank liegen wird.
Zinsentwicklung im Euroraum
Der Einlagenzins im Euroraum erreichte im August 4,25 %. Zwar sinkt die Inflationsrate nur langsam, aber sie fällt kontinuierlich. Somit gehen Experten auch davon aus, dass der Einlagenzins mit 4,25 % seinen Höhepunkt erreicht hat.
Im EZB-Rat wird man zunehmend die schwache wirtschaftliche Dynamik in den Fokus nehmen. Die zeigt sich vermehrt in verschiedenen Frühindikatoren. Mit einer Zinssenkung wird erst gerechnet, wenn sich auch bei den Preisen für Dienstleistungen eine sinkende Tendenz abzeichnet. Damit wird erst zum Ende des Jahres 2024 gerechnet. Im Jahr 2025 werden aber Zinssenkungen erwartet.
Das IfW unterstellt in seiner Prognose für das Jahr 2024 überwiegend einen Zinssatz von 4,25 %, der erst im IV. Quartal auf 4,00 % sinkt. Mit Beginn des Jahres 2025 fällt er jedoch auf +3,50 % und danach sukzessive bis zum Ende des Jahres auf +2,75 %. Die langfristigen Zinsen liegen 2024 bei +2,6 % und 2025 bei 2,5 %. Nach dem Schock des laufenden Jahres und der aktuellen Gewöhnungsphase an das neue Zinsniveau ist somit im Verlauf der Jahre 2024 und 2025 mit einer fortschreitenden Zurückbildung der Bremseffekte durch Zinserhöhungen zu rechnen.