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Marktbericht Juni 2022

Für nicht angemeldete Nutzer steht als Leseprobe ein Teil des ersten Kapitels zur Verfügung. Sollten Sie Interesse an unseren kompletten Marktberichten haben, kontaktieren Sie uns bitte unter marktforschung@heinze.de.

Allgemeine Wirtschaftsentwicklung

Internationale Konjunktur

Folgeschäden oder Dauerkrise?

Ist die krisenhafte Lage der Weltwirtschaft eine Folge aktueller Einflüsse wie Krieg, Pandemie, No-Covid-Politik und damit ver­bundener Rohstoffknappheit und Lieferengpässe oder handelt es sich um eine Dauerkrise? Die Antwort ist eindeutig: Beides. Mit dem Klimawandel werden pandemische Phänomene künftig häu­figer auftreten und gewaltsame Auseinandersetzungen um Res­sourcen sowie Flüchtlingsbewegungen ein latentes, dauerhaf­tes Krisenphänomen bleiben. Somit ist es auch nicht verwunder­lich, dass die Zukunftserwartungen derzeit weit auseinanderge­hen. Sie reichen von einer gebremsten, aber nach wie vor positi­ven Wirt­schaftsentwicklung bis zu Krisenverstärkung und Rezes­sion.

Günstiger Fall

Das Institut für Weltwirtschaft, dessen Prognose wir in diesem Bericht darstellen, hat angesichts des hohen Inflationsdrucks und der zu erwartenden monetären Straffung seine Prognose für das globale Wachstum von etwa 3,5 auf 3,0 % reduziert. Dabei geht man davon aus, dass die Inflation im Jahr 2023 abflacht und die Geldpolitik nicht dauerhaft auf der Bremse stehen muss.

Perfekter Sturm

Im mittleren Segment der Prognosen wird häufig das Bild des per­fekten Sturms bemüht, bei dem sich der Konjunkturabschwung verschiedener Weltregionen gegenseitig verstärkt und bei anhal­tendem angebotsbedingten Preisdruck in einer Stagflation mün­det, der nur schwer zu entkommen ist.

Kassandra

Das Bild der tragischen Heldin der antiken Mythologie (Kassandra), die stets das Unheil voraussagte, aber niemals Gehör fand, trifft auf den Wirtschaftsexperten Rogoff, zumindest was den zweiten Teil ihrer Tragik angeht, nicht zu. Danach wird nach Einstellung russischer Gaslieferungen eine Rezession in Europa nahezu unvermeidlich. Die chinesische Volkswirtschaft steckt womöglich bereits in einer Rezession und die Aussicht auf eine weiche Landung der Konjunktur in den USA wird immer geringer. Eine Rezession in den USA würde die weltweite Import­nachfrage deutlich reduzieren und Chaos an den Finanzmärkten auslösen.

Lösungspotenzial

Rogoff ist sich nicht sicher, ob die Politiker und Entscheidungsträ­ger den Aufgaben gewachsen sind, die schon bald auf sie zukom­men werden. China kämpft, von diktatorischen Allmachtsfantasien beflügelt, gegen ein Virus, Amerika ist hoffnungslos zerstritten und kämpft sich an Scheinproblemen ab, und Europa hat sich durch seine systemische Entscheidungsschwäche in die Abhängigkeit von aufgeblasenen Provinzfürsten begeben.

Apfelbäumchen pflanzen

Das lutherische Bild vom "Apfelbäumchen pflanzen" bedeutet nicht, dass man an den Weltuntergang von morgen glaubt, son­dern egal ob er nun kommt oder nicht, es sinnvoller und fröhlicher ist, auf die Zukunft zu setzen, statt in Lethargie und Depression zu verfallen. In dem Sinne möchten wir auch diesen Bericht fortset­zen.

Weltwirtschaft: reduzierte Erwartung bei begrenztem Schaden

Nach dem IfW-Indikator hat sich die Stimmung in den befragten 42 Ländern in den vergangenen Monaten deutlich abgekühlt. Angebotsengpässe und logistische Probleme haben wieder an Bedeutung gewonnen. In den fortgeschrittenen Volkswirtschaften hat sich die konjunkturelle Grundtendenz abgeschwächt. Google-Mobilitätsdaten signalisieren im Frühjahr eine leichte Erholung. Andererseits hat sich das Verbrauchervertrauen massiv ver­schlechtert. Einzelhandelsumsätze und Industrieproduktion gingen bisher nur moderat zurück. In den Schwellenländern ist die Ent­wicklung uneinheitlich. Rohstoffreiche Länder werden von den aktuellen Preissteigerungen begünstigt. Dies gilt für Russland auf­grund des Krieges und für China aufgrund der Lockdown-Politik nur begrenzt. In rohstoffarmen Schwellenländern ist die Versorgung der Bevölkerung mit Grundnahrungsmitteln gefährdet und soziale Unruhen könnten eine weitere Gefahr für die Weltwirtschaft brin­gen. Die Erwartungen des weltwirtschaftlichen Wachstums sind zwischen der letzten und der aktuellen Prognose für das Jahr 2022 von etwa 3,5 % auf 3,0 % abgesackt. Der Welthandel büßt weiter an Dynamik ein.

Inflation bleibt länger

Die Inflation wird längerfristig sowohl von der Angebotsseite (Rohstoff- und Lebensmittelknappheit, Lieferkettenprobleme) als auch von der Nachfrageseite genährt. Preisauftriebstendenzen gab es bereits vor dem 24.2.2022 (Kriegsbeginn). Es spricht vieles dafür, dass die Finanzpolitik bei der Bekämpfung der Pandemiefol­gen übersteuert hat und so die Nachfrage über das verfügbare Güterangebot hinaus ausgeweitet hat. Zudem schlägt die Liquidi­tätsfalle zu. D. h. von Notenbanken geflutete Liquidität und von Privaten und Unternehmen gehortete Geldmengen werden durch externe Verknappungen plötzlich aktiviert und treiben die Inflation. Das verstärkt die Tendenz der Beschäftigten, die Kaufkraftverluste durch Lohnforderungen auszugleichen. Der Geist ist aus der Flasche und nur schwer wieder einzufangen.

Zum konjunkturellen Überblick

Unser Überblick zu den Rahmenbedingungen der Bauwirtschaft hat sich weiter eingetrübt. Dies betrifft vor allem die monetären Rahmenbedingungen. Davon ist auch die Binnennachfrage betrof­fen. 2022 stützen die Reserven der privaten Haushalte noch die Nachfrage. 2023 werden die Kaufkraftverluste stärker spürbar sein. Knappe Kapazitäten, Lieferengpässe, Zinsen und Baupreise belasten auch die bauwirtschaftliche Aktivität stärker. Bauüber­hänge und Baubedarfe stützen jedoch die Entwicklung. Auch wer­den 2023 Fördermaßnahmen stärker greifen. Ohne Zweifel hat sich die Situation auf vielen Ebenen weiter verschlechtert, aber in der Summe ist weiterhin mit einer stabilen Entwicklung bei mode­ratem Wachstum in einzelnen Segmenten zu rechen.

Rezessionsangst dämpft Rohstoffpreise

Bereits im Jahr 2021 stiegen die Rohstoffpreise auf breiter Front stark an. Einerseits stieg die Nachfrage nach einem erwarteten Auslaufen der Pandemie kräftig an, andererseits ist die Förderung von Rohstoffen in der Regel unflexibel, sodass es zu starken Preis­ausschlägen kommt. Erste Tendenzen einer Abschwächung auf hohem Niveau könnten sich schon bald wieder als Illusion heraus­stellen, wenn sich die jüngste Verschärfung der Gasversorgung bestätigt. Gegen starke Preiszuwächse spricht die wachsende Sorge vor einer wirtschaftlichen Rezession. Spekulative Preisstei­gerungen reduzieren sich mit dem Zuwachs an Konjunktursorgen. Je länger die Krise dauert, je mehr werden Substitutionsalternati­ven entwickelt. Saudi-Arabien scheint zu einer Erhöhung der Öl-Fördermengen bereit zu sein. Schlummernde Reserven im Iran und in Venezuela können mangels politischem Fortschritt nicht aktiviert werden. Die Liefermengen in Kasachstan und Libyen sind laut UBS eingebrochen und die Schieferölindustrie in den USA kommt nur zögerlich in Gang.

Weltwirtschaftliche Hängepartie

Preissteigerungen bei Rohstoffen und Industrieprodukten kommen erst mit einer gewissen Zeitverzögerung beim privaten Verbrau­cher an. Weil die Inflation die Weltwirtschaft voraussichtlich länger begleiten wird, ist die Geldpolitik nahezu überall gestrafft worden und bleibt mit einer Verringerung von Anleihekäufen und fortge­setzten Zinserhöhungen weiterhin restriktiv. Die schwindende Kaufkraft reduziert den privaten Verbrauch und die wachsenden Unsicherheiten belasten die Investitionen. Für die Schwellenländer reicht ein Wachstum von drei bis vier Prozent kaum aus, um die Entwicklungsprobleme zu lösen, und in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften reicht ein Wachstum von zwei Prozent nicht aus, um die Verluste seit Beginn der Pandemie aufzuholen. Das Wachstum des Welthandels mit +1,6 % im Jahr 2023 beträgt nur noch ein Bruchteil der Globalisierungsphase. Die gute Nachricht in all dem ist, dass negative Veränderungsraten derzeit noch nicht erwartet werden.

USA: Wachstum

Im Jahr 2021 wuchs die US-amerikanische Volkswirtschaft mit +5,7 %. Das war auch eine Folge starker Lagerinvestitionen zum Ende des Jahres, die zu Beginn des laufenden Jahres entfielen. Zusammen mit einem größeren Außenhandelsdefizit sank das Bruttoinlandsprodukt der USA im I. Quartal untypisch um -1,4 %. Der private Binnenkonsum und die Investitionen legten hingegen zu. Ohne Lagerinvestitionen legte die private Inlandsnachfrage im I. Quartal 2022 mit einer Jahresrate von +3,7 % zu. Das IfW rech­net im laufenden Jahr mit einem Zuwachs von +2,4 % und im Jahr 2023 in Höhe von +1,9 %. Die Deutsche Bank dagegen warnt vor einer signifikanten Rezession Ende des Jahres 2023 und Anfang 2024. Die Arbeitslosenquote lag im April mit 3,6 % nahezu auf Vor­krisenniveau. Die Preisanstiege bei Flugreisen (+18,6 %) zeigen, dass die aktuelle Inflation auch von Nachholeffekten geprägt ist. Konkret bedeutet dies, dass die Nachfrage in Sektoren sprunghaft ansteigt, in denen Kapazitäten in der Krise abgebaut und aktuell nicht kurzfristig wieder aufgebaut werden können. Das spräche dann für einen späteren Rückgang der Inflation. So erwartet das IfW für das laufende Jahr einen Preisanstieg in Höhe von +8,2 %, der sich im Jahr 2023 auf +4,0 % zurückbilden wird.

China: Wachstum ist gut, Kontrolle ist besser

Der Abwärtstrend am chinesischen Immobilienmarkt setzt sich seit rund eineinhalb Jahren fort. Zwischenzeitliche Versuche, den Markt durch mehr Liquidität zu stabilisieren, wurden angesichts der aktuellen Lage wieder zurückgenommen. Somit bleibt der Immobi­liensektor weiter unter Druck. Das größte Problem der chinesi­schen Wirtschaft ist aber nach wie vor die Null-Covid-Strategie. Die Weltbank erwartet für 2022 nur noch einen Zuwachs des BIP in Höhe von +3,2 %. Die aktuelle Prognose des IfW liegt bei 4,2 %. Deutlich geringere Wachstumsraten sind jedoch Konsens. Der Aktienindex MSC ist auf einen Tiefstand gesunken. Chinas Export­wachstum legte im April nur noch geringfügig zu. Der Autoabsatz ist eingebrochen. Im April wurde ein Drittel weniger Fahrzeuge ausgeliefert. Die Einzelhandelsumsätze fielen um -3,5 %. Das Geschäft der Dienstleister hat sich halbiert. Seit Russlands Über­fall auf die Ukraine und der scharfen Lockdown-Politik im Land gibt es in China eine noch nie gesehene Kapitalflucht und 85 Prozent der ausländischen Fachkräfte in der Wirtschaftsmetropole Schang­hai wollen das Land verlassen.

Chinas Führungsproblem

Noch bis vor Kurzem schien es, als hätten autoritäre Systeme zunehmend Vorteile. Die aktuelle Situation legt jedoch die Schwä­chen offen. Nachgelagerte Kader versuchen vor allem durch gehorsames Ausführen der Vorgaben Punkte zu machen. Galt zu­vor "Wachstum und sonst nix" so gilt zurzeit "Null-Covid und sonst nix". Der Lkw-Verkehr wird durch Kontrollen und Einschränkungen nahezu lahmgelegt. Ausländische Experten versuchen das Land so schnell wie möglich zu verlassen. Auch für Finanzinvestoren wird das Land zunehmend zu einer No-go-Area. Experten rätseln über die Beweggründe für die Strategie. Ein Grund könnte die geringe Wirksamkeit der einzig zugelassenen chinesischen Impf­stoffe sein und eine recht geringe Impfquote. So oder so werden die Folgen für die Weltwirtschaft und vor allem für die stark inte­grierte deutsche Wirtschaft über Jahre zu spüren sein.

Asien

Die Schwellenländer Asiens sind derzeit mit Zuwachsraten von fünf Prozent und mehr ein Wachstumsanker in der Weltwirtschaft. Das stabilisiert auch die japanische Wirtschaft, die auf ihren moderaten Zuwächsen von ein bis zwei Prozentpunkten verharrt. Die Zuwachsraten in Indien bildeten sich aufgrund wachsender Infektionszahlen und einer ungewöhnlichen Hitzewelle im Frühjahr zurück.

Lateinamerika: Bedeutungsgewinn

Infolge des Ukrainekrieges steigen auch in Südamerika die Infla­tionsraten und die Farmer leiden unter fehlenden Düngemitteln, doch droht den Ländern keine Lebensmittelkrise wie anderen Welt­regionen. Der Krieg wirkt sich auf die Wirtschaft Südamerikas eher positiv aus. Das gilt vor allem für Brasilien, Chile, Peru, Kolumbien und sogar Argentinien. Die Währungen und Aktienmärkte dieser Länder haben kräftig zugelegt und die Exportindustrien profitieren von steigenden Rohstoffpreisen. Insgesamt dürfte Südamerika in der Weltwirtschaft wieder größere Bedeutung gewinnen. Im Stre­ben um Rohstoffunabhängigkeit von Russland und China kommt man an Südamerika nicht mehr vorbei. Die gesamtwirtschaftlichen Erwartungen bleiben in den südamerikanischen Ländern jedoch gering. Zwar steigen die Einnahmen aus Rohstoffexporten, aber die erneut wachsenden Inflationsraten und die straffere Geldpolitik reduzieren die private Kaufkraft und dämpfen die Investitionsbe­reitschaft.

Afrikanische Rohstoffländer

Eine Alternative zur Rohstoffversorgung sind Länder des afrikani­schen Kontinents. Die politischen Verhältnisse sind jedoch noch schwieriger als in Südamerika und die Einflussnahme der geopoli­tischen Blöcke ist größer, wie die jüngste Destabilisierung in Mali durch Russland zeigt.

Russland: negatives Wachstum

Das Wachstum Russlands wird im laufenden Jahr um -8,0 % ein­brechen und im Jahr 2023 um -5,5 %. Das ist im weltwirtschaftli­chen Vergleich ein starker Rückgang, aber weniger dramatisch als man sich von den Sanktionen erhofft hat. Eine rasche Erholung ist nicht zu erwarten, da Kapitalflucht und die Auswanderung von Fachkräften bleibende Schäden hinterlassen werden.

Osteuropa

Die Wachstumsaussichten für die osteuropäischen Länder trüben sich für 2023 deutlich ein. Das liegt zum einen an der nachlassen­den weltwirtschaftlichen und europäischen Konjunktur, zum ande­ren aber auch an der stärkeren bisherigen Verflechtung mit der russischen Wirtschaft.

Euro-Länder

Folgt man den Prognosen der Institute und den internationalen Organisationen so wird der Euroraum im Jahr 2022 um mehr als drei Prozent wachsen (IfW +3,1 %; ifo +3,3 %) und im Jahr 2023 um ca. drei Prozent (IfW +2,7 %; ifo +2,8 %). Dabei ist das ifo-Institut für Deutschland (2022: +2,5 %, 2023: +3,7 %) etwas opti­mistischer als das Institut für Weltwirtschaft (IfW) (2022: +2,2 %, 2023: +3,5 %). Das HRI veröffentlichte seine Prognosen im Anschluss an die Institute. Es geht für Deutschland im Jahr 2022 nur noch von +1,6 % und für 2023 lediglich von +0,8 % aus. Das zeigt die Unsicherheit, die derzeit auf allen Vorhersagen lastet und legt den Schluss nahe, dass Ausbruchspotenzial der Prognosen nach unten gegeben ist. Die Institute gehen bei ihrer Vorhersage davon aus, dass die Volkswirtschaften des Euroraums sich in einer grundlegenden Erholungsbewegung befinden, die durch die steigende Unsicherheit des Ukrainekrieges gedämpft wurde, die 2023 tendenziell nachlässt.

Sonstige europäische Länder

Die wirtschaftlichen Entwicklungen in Skandinavien und in der Schweiz liegen für 2023 etwa um einen Prozentpunkt unterhalb der wirtschaftlichen Entwicklung des Euroraums.

Preisentwicklung

Die Hoffnung der EZB auf vorübergehende Preiseffekte hat sich nicht bestätigt. Das Inflationsproblem im Euroraum stellt sich nicht nur dauerhafter dar, es ist auch größer als erwartet. Die Inflation in den baltischen Staaten liegt bei knapp zwanzig Prozent und in den übrigen Ländern etwa bei knapp zehn Prozent. In ähnlicher Situation hat die US-Notenbank (FED) den Leitzins Mitte Juni um +0,75 auf 1,50 bis 1,75 Prozentpunkte angehoben. Der Leitzins der EZB liegt nach wie vor bei -0,5 Prozentpunkten und es ist noch nicht sicher, ob er Ende Juni auf null Prozent angehoben wird. Für die USA rechnen Marktkenner bis Ende des Jahres mit Leitzinsen zwischen 3,4 % und 3,8 %. Die Ausgangslage ist in den USA jedoch auch eine andere. Die Kerninflation beträgt bereits 6,2 % gegenüber 3,9 % im Euroraum, und die Arbeitslosenquote ist deut­lich niedriger, was die Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale erhöht. Zwar hat die EZB die Wende der Geldpolitik angekündigt, aber sie kommt nach Meinung vieler Experten zu spät und zu zaghaft. Zwar haben sich die Spreads (Aufschlag der Zinsen ggü. der Bundes­anleihe) erhöht, doch dürften sich die Belastungen der Staats­haushalte in Grenzen halten. Die zuletzt aufgelegten Schuldtitel sind niedrig verzinst und das Zinsniveau der zu verlängernden Schuldtitel dürfte geringer ausfallen als die Zinsen der zu erset­zenden Papiere.

Euro-Kurs

Der Außenwert des Euro sinkt seit Anfang 2021 kontinuierlich und lag Mitte Juni etwa bei 1,05 $/€. Eine schwache Währung begüns­tigt aktuell die Exporte und erhöht den Preis für Importe und damit die Inflation. Die langfristige Wirkung auf die Wirtschaft ist jedoch umstritten. Währungen, die in der Vergangenheit regelmäßig gegenüber der D-Mark abwerteten (Drachmen, Lire, Escudos) be­gründeten damit keine florierende Industrie. Wohl aber entwickelte sich die deutsche Industrie trotz oder vielleicht sogar wegen der Produktivitätspeitsche zu einer der wettbewerbsfähigsten Indust­rien der Welt. Das funktioniert allerdings nur, wenn die Geldpolitik und die Finanzpolitik in gemeinsamer regionaler Verantwortung liegen. Liegt die Finanzpolitik in der Verantwortung der Länder und die Geldpolitik in der Verantwortung Europas, neigen einzelne Länder dazu, ihre Strukturprobleme durch die Geldpolitik "lösen" zu lassen. Für die Prognoseperiode gehen die Institute von einem Außenwert des Euro in der derzeitigen Größenordnung (1,05 €/$) aus.

Zinsen

Die Marktzinsen haben die Entwicklung längst vorweggenommen. Die Hypothekenzinsen in Deutschland liegen für zehnjährige Hypotheken bei etwa 2,5 % und dürften bald auf 3,0 % steigen. Im Dezember lagen sie noch bei 0,9 %. Zwar liegen die Bauzinsen immer noch unter dem langfristigen Mittelwert, doch sind sie zu keinem Zeitpunkt der letzten zehn Jahre so schnell und so stark gestiegen. Die Bauzinsen orientieren sich traditionell an der Entwicklung der Bundesanleihen. Die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen ist zuletzt erstmals seit sieben Jahren über die Marke von einem Prozentpunkt gestiegen.

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